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12.06.2019, 10:40 Uhr | ghostcat87
Hallo zusammen,

ich habe hier eine 3,5 jährige die seit einem 3/4 Jahr total am Rad dreht, ihre Launen sind schlimmer als bei einem 14 jährigen Teenie oder einer Frau im Hormonchaos *hypocritically*
Situationen:
Sie kommt jede Nacht ins unser Bett, das ist uns egal solange sie sich benimmt und weiterschläft. Morgens geht sie dann mit runter, Drama: Anziehen. Sie darf aussuchen mit Empfehlung von uns. Ok. Dann gehts weiter, Socken stören, zwicken (Zehen, Ferse), Unterhose zwickt, das ist das mega Theater wo eine halbe Stunde bis zum verlassen des Hauses andauert. Habe schon verschiedene Schnitte die sie alle nicht akzeptiert. Es zwickt. Sie kreischt, stampft, schlägt um sich, sich selbst, ist verzweifelt und steigert sich rein. Ablenken funktioniert nicht.
Frage, Brot oder Müsli? Uns sie rastet sofort aus und kreischt sie will es selber machen - dabei machen wir ja garnichts, wir fragen nur damit wir ihr sagen können was sie als nächstes tun kann. Sie bekommt keinen 5. Löffel Flocken in die Schüssel da sie eh nur 3 Löffel isst höchstens. Sie dreht komplett ab und wirft das Zeug über den Tisch. Sie bekommt die volle Packung Milch nicht ganz alleine in die Hand weil diese voll ist und sonst alles verschüttet wird. Sie dreht wieder ab und versteht die Gründe nicht, auch wenn man kurz und knapp erklärt.
Weiter anziehen und in KiGa geht einigermaßen mit viel Diskussion doch bitte endlich zuzuhören und die Schuhe andersrum anzuziehen.

Mittags, 14 Uhr aus dem Kiga. Schuhe werden nur mit den Füßen ausgezogen und sie rastet aus dass es nicht geht. Täglich. Sie schreit und schlägt sich am Bauch und um sich. Gut zureden sie soll aus mit den Händen machen wird mit gekreische gekontert, nein das geht auch so, nein das geht nicht, gekreische. Geheule.
Jacke aus, bevor sie es versucht schlägt sie um sich, reisst ohne wollen an sich rum, kreischt, tobt, geht nicht. Also sie versucht es nichtmal ernsthaft.
Immer wenn wir ihr helfen wollen dürfen wir nicht, wenn wir nicht helfen wollen/können besteht sie darauf und quittiert unser "versuch es mal selber, du kannst das doch!" mit wildem getobe.

Es vergeht keine halbe Stunde am Tag, in der sie nicht schreit, heult, kreischt. Sie ist EXTREM frustriert und unter eigenem Druck.
Verbieten wir etwas, z.B. nach Ansage nur noch eine Folge ihrer Serie, kreischt sie und schlägt auf uns ein. Reden wir Eltern und sie will was erzählen plötzlich, kreischt sie, sie will auch was sagen und schlägt und tritt uns. Wir bitten sie ja auch, moment, wir reden grad kurz, sie muss kurz warten. Versteht sie nicht. Es wird gekrischen und wenn wir greifbar sind wird geschlagen. Mehrfach.

Wenn es beim Essen keine 4. Hand voll Käse auf die Nudeln gibt (mit Ansage vorher), flippt sie aus. Schlägt nach uns. Wir haben jetzt seit 2 Monaten die Regel, bei Schlagen, Treten, ins Gesicht kreischen, kriegt sie eine Auszeit auf der Treppe. Bei uns, aber abseits. Sie soll sich beruhigen und nachdenken was passiert ist. Danach wird darüber gesprochen. Bis sie aber auf der Treppe sitzt, sind beide seiten völlig ausser sich und fertig.

Alle Situationen wiederholen sich eigentlich täglich. Täglich die gleiche - sorry - sch*****
Waren wir eine Woche im Urlaub, wurde alles nur noch schlimmer und sie trumpfte mit noch mehr Reaktionen auf. Hörte null komma null, trotz noch mehr Freiheiten und Ruhe dort.
Geben wir uns extra Mühe, sind ruhig, gelassen, Verständnisvoll - Fehlanzeige. Sie ist von 0 auf 180.

Wenn wir nach der Aufregung in Ruhe mit ihr reden scheint es auch immer so dass sie es versteht, sie wiederholt auch und redet normal gelassen über die Dinge. Sie findet das alles auch richtig blöd und will nicht immer schreien, schlagen usw. Aber die Vorsätze halten keine Stunde.
Konsequenzen wie auf die Treppe sitzen, in ihr Zimmer, wenn sie nicht aufräumt kommt das weg, wir gehen nicht da und da hin, ..... bringen ebenso nix. Sie akzeptiert es in diesem Moment unter riesen Protest, aber warum es so ist und warum wir etwas durchziehen, versteht sie nie.

Klar könnten wir komplett nach ihrer Pfeife tanzen und sie Lebensmittel verschwenden und ihr beibringen dass immer alles für sie getan wird wenn sie es will. Aber das ist für uns keine Erziehung. Wir wollen ein Miteinander wo jeder was dazu beitragen kann und den anderen respektiert.

Wir suchen ganz dringend einen Anhaltspunkt wo wir weitermachen können denn SO freut man sich morgens auf die Arbeit und wenn es gegen 19 Uhr ins Bett geht *woot*

Dankeschön!
10.07.2019, 16:53 Uhr | dagmita
Hallo!
Mein Enkel ist auch in dem Alter, einiges eerscheint mir sehr vertraut.
Wenn man einem 3,5 Jahre alten Kind etwas erklärt und es das auch offensichtlich versteht, heißt das noch lange nicht, dass es auch serin Verhalten danach ausrichten kann.
Dein Kind ist klug , aber sie ist ein KLEINKIND!
Mit dreieinhalb sein Zimmer selber aufräumen ist meist zuviel verlangt.
Das kann man spielerisch zusammen machen.
Sich als Kleinkind morgens beeilen und zu funktionieren, wie ein kleiner Erwachsener ist meiner Meinung nach auch zu viel verlangt.
Mein Sohn hat das mit 8 langsam gelernt.
Ich habe das Gefühl, dass sie so ausflippt, weil sie sich überfordert fühlt.(UND dazu in der Trotzphase ist)
Stell ihr essen hin, wie DU es für richtig hältst, diskutier nicht mit ihr. Diskutieren ist unfair, das kann sie noch nicht.
Du kannst es kurz erklären EINMAL und das reicht.
Wenn sie es nicht isst, dann isst sie halt im Kiga.
Wenn sie an der Autotür rummacht, nimm sie halt an die Hand, dass sie es nicht kann.Das ist völlig altersgemäß.
Erwarte nicht so viel Vernunft. Theorie und Praxis sind bei Kleinkindern SEHR weit auseinander.
Nicht so viel reden. Einfach machen. DU bist der Bestimmer.
Du nimmst ihr die Entscheidungen ab.
Vielleicht kann sie sich dann entspannen.
Und in kleinen Sachen kann SIE dann entscheiden und bestimmen.
Da lernt sie dann groß zu werden . Z. B. was ihr jetzt spielt, oder ob sie (wenn Zeit ist) einen Apfel oder eine Banane essen will, oder sowas.
Aber mit 3 zu entscheiden was man anzieht... das muss doch nicht sein. Vor allem wenn man es eilig hat.
Da sind Koflikte so leicht vorprogrammiert.
Das kann sie am Wochenende machen, wenn ihr Zeit habt.
Sie ist wirklich noch klein, auch wenn sie schon klug ist.
Wenn Du sie auch so behandelst, fällt vielleicht Druck von euch ab.
Ich wünsch es euch.
02.07.2019, 14:14 Uhr | marinadiezweite
Hallo ghoastcat 87, du schreibst, mit vielen vielen Regeln hat deine Tochter noch nie ein Problem gehabt. Dadurch schätzt du sie eigentlich als sehr sehr vernünftig ein. Die Situationen die du beschreibst, sind daher für dich vollkommen unverständlich. Weil das deiner Meinung nach nichts mit Regeln zu tun hat, und du es daher auch nicht verstehst.
Ich denke immer noch, dass da der Hammer hängt, das Problem liegt.
Manche Situationen würde ich so vom Beschreiben erstmal als vollkommen harmlos empfinden. Ich finde übrigens, dass ihr euch sehr verändert und ''gebessert'' habt. Ich empfinde jedoch nach wie vor das Drumherum und die Erwartungen sehr hoch. Und zwar kommt es mir so vor, als wollt ihr immer so einen Zustand von nett sein. Vom Erkennen von Bedürfnissen, ohne, dass die Tochter diese äußert. So geht es nachher gar nicht mehr ums Eis. Was ja eine nette Geste von dir war. Sondern durch die kleine Sache ist der Anfang für ein Riesendrama gelegt.
Da würde ich mal verinnerlichen, dass du nicht immer alles richtig und recht machen kannst. Die Sache ist noch sehr kippelig, wird aber schon bedeutend besser. Bekommt nun ein Gefühl für kritische Situtationen. Man hat schon fast das Gefühl, dass sie spürt, wann ihr Frieden mit ihr schließen wollt. Dann scheint sie extra fies zu sein.
Ich meine damit, die Situation ist schon da, als sie das Eis durch die Gegend schmeißt. Was erwartet ihr da? Sie hat das sonst auch immer so gemacht und dann läuft ein lustiger Zickenkrieg ab, wo Mama und Papa überlegen, ob sie was falsch gemacht haben oder die Dame schon in der Pubertät steckt!? Ist ein bisschen überzogen, ich weiß.
Aber es ist besser, ihr nicht in so einer Situation irgendeine Regel zu erklären oder diese zu wiederholen. Und auch nicht gut ist, sich zu zweit da einzumischen. Da reicht ein Satz, so, war wohl nichts. Dann wird das Eis aufgewischt von ihr mit einem Lappen. Da das ja sonst unschön aussieht. *cool* Kind lernt daraus nur, wenn es mal eben alles wieder in Ordnung bringt. Und vielleicht kurz sagt, ich dachte, du freust dich. Schon die Tatsache, dass das sonst ihr Lieblingseis ist, zeigt mir, dass sie einfach einen Film ablaufen lässt. Schaden beheben und dann ist gut.
Du hast sie morgens nicht verstanden. Du, ich kenne 5-jährige, die kein Wort sprechen. Und die alles bekommen. Weil Mamas versuchen, aus dem undeutlich gesprochenen Buchstabengewirr was rauszulesen. Sie brauchen nur noch mit den Augen zwinkern oder ''haben'' sagen und schon ist das entsprechende da. Falls du Glück hast, dass du das richtige herausfindest. Vielleicht gehst du in Gedanken einfach nochmal raus, gehst wieder rein. Und dann sagst du guten Morgen und wartest ab, was sie will. Denn sie kann bestimmt deutlich sprechen. Es gibt keinen Universaltipp. Es scheint ihr aber nicht gut zu bekommen, dass sie immer erstmal alle Register zieht. Und am Ende ist ein Riesendrama mit stiller Treppe und Kinderzimmer. Und der Bitte, doch das Schlagen aufzuhören. Und Riesenversöhnung, die auch nicht nötig ist.
Macht euch doch mal richtig groß und zeigt ihr, dass Beissen und so gar nicht geht. Dass sie nicht erst die Chance auf einen zweiten Anlauf hat. Und dann sollte es aber auch schon erledigt sein.
01.07.2019, 19:12 Uhr | BabyOne
Hallo,

versuch es doch mal so zu sehen, dass es an fünf von sieben Tagen mit ein paar kleinen Änderungen deutlich besser war als vorher. Ist das nicht eigentlich toll? Die schlechten Tage oder Stunden kosten einen zwar Kraft, aber ein Kind ist ja kein Roboter und hat auch mal einen schlechten Tag. Wochenende ist ja auch immer so eine Änderung gegenüber der täglichen Routine, man steht zu anderen Zeiten auf etc., das kann auch schon dazu beitragen dass die Stimmung schneller kippt. Ich habe den Eindruck, Du erwartest wirklich manchmal sehr viel von ihr. Ja, sie kann sich toll ausdrücken, aber sie ist immer noch ein sehr kleines Kind! Auch wenn sie sich schon gut ausdrücken kann heißt das nicht, dass sie emotional schon so reif ist wie beispielsweise ein Schulkind, und auch bei Schulkindern kann es noch zu emotionalen Ausbrüchen kommen, wenn sie durch irgendwas frustriert werden.

Mach einfach weiter so wie zuletzt, und schau wie es sich entwickelt. Falls es weiter immer wieder zu sehr heftigen Ausbrüchen kommt, könntest Du auch eine Art Tagebuch führen und für jeden Tag aufschreiben, was gut lief und was schlecht, vielleicht auch die Uhrzeiten und wie die Situation drumherum war (war sie hungrig, müde, gelangweilt? durfte sie davor fernsehen? wer war dabei, wo ist es passiert?) und schauen ob sich irgendwelche Muster ergeben. Solche Aufzeichnungen helfen dann auch beim Gespräch mit dem Kinderarzt.
"Gute Erziehung heißt zu verbergen, wie viel wir von uns selbst halten und wie wenig von anderen." (Mark Twain)
01.07.2019, 13:08 Uhr | bke-Fiona-Mira
Hallo ghostcat,

ich kann mir vorstellen, dass Sie zur Zeit gute Nerven brauchen.

Es klingt so, als ob Ihre Tochter gerade einen Entwicklungsschritt macht, sie merkt selber mehr, was sie will oder was nicht, hat ihre eigenen Pläne im Kopf, wie etwas ist oder sein soll oder werden soll.
Wenn diese Pläne dann nicht so funktionieren wie sie es sich das vorgestellt hat gerät sie im wahrsten Sinne der Worte "außer sich".
Da in diesem Alter Der Gehirnteil der für rationelles vernünftiges Denken und Handeln noch nicht so sehr ausgebildet ist kann sie nicht wie ein Erwachsener reagieren - sie kann sich dann z.B. nicht überlegen, dass sie ruhig sagen kann, dass sie gerne die andere Eissorte will. Was bei ihr passiert ist wahrscheinlich überwältigende Gefühle, dass nicht genau das Eis kommt, das sie erwartet hat, was zu großem Druck führt der irgendwie abgebaut werden muss. Das passiert dann durch Toben und Schreien und Schlagen. Andere Mittel stehen ihr dann offenbar nicht zur Verfügung.
Da könnte helfen, dass sie ihr die Ruhe geben (wie z.B. ins Zimmer schicken), damit sie sich wieder regulieren kann.
Was in diesen Momenten nicht ankommt ist Reden - dafür ist die Aufregung zu groß.

Was sie machen könnten wenn sie sich beruhigt hat ist, dass sie ihr wiederspiegeln, was Sie an Gefühlen bei ihr wahrgenommen haben - z.B.: Da hast du dich sehr über das falsche Eis geärgert.... ohne hinzuzufügen, dass sie sich nicht hätte aufregen müssen.
Sie könnten ihr aber vorschlagen, oder mit ihr besprechen, was sie das nächste Mal machen könnte - z.B., dass sie dann sagen kann : ich möchte die andere Sorte Eis".
Damit helfen Sie ihr einerseits, dass sie lernt ihre Gefühle besser zu kennen und einzuschätzen, dann merkt sie, dass Sie verstehen was bei ihr los ist und dass das auch in Ordnung sein kann, und dann bekommt sie noch neue Handlungspläne.

herzliche Grüße, bke-fiona - mira
01.07.2019, 11:00 Uhr | ghostcat87
Hallo zusammen,

vielen lieben Dank für die vielen Tipps und Hinweise.

bke-Claudia-Rohde schrieb:
Kinder, in diesem Alter, neigen häufiger dazu, Ihre Ärgernisse, Bedürfnisse und Wut über körperliche Angriffe zu bekunden. Das ist für Eltern sehr unangenehm. Es erfordert sehr viel Gelassenheit und erzieherische Konsequenz von den Eltern, bis das Kind bestimmte Verhaltensweisen lässt und neue erlernt.
Gibt es viele Veränderungen im Laufe der Woche oder läuft alles recht gleichmäßig und strukturiert ab. Auch solche Dinge können Kinder zu solchen Verhaltensweisen veranlassen.
Was Ihre Tochter gerade lernen muss und was für Sie ein Problem ist, ist ihr Umgang mit dem eigenen Zorn. Es ist noch nicht lange her, da haben Sie Ihrem Baby fast jeden Wunsch erfüllte, essen, neue Windel, trösten….Es ist für jedes Kind schwer, wenn es dann lernen muss, dass es z.B. aufs Essen warten muss, die Schubladen nicht öffnen darf, die Tassen und Teller nicht werfen soll. Der Verzicht fällt schwer. Es entsteht Wut und Verzweiflung und das Kind weiß nicht wohin damit, wie es mit dem Ärger umgehen soll. Es wird schon einige Zeit dauern, bis er es nach und nach gelernt hat.
bke-Claudia Rohde


Wir haben einen sehr gleichbleibenden Alltag und die Tagesabläufe sind immer gleich, ausser man ist mal nachmittags länger unterwegs, sehr selten. Und sie sagt da auch immer „das ist eine Ausnahme dass ich später ins Bett geh“
Das merkwürdige ist, unsere Tochter musste bestimmte Dinge nie lernen im Sinne von ausprobieren wie wir reagieren, ob sie es darf. Wie sie jetzt schreiben, auf Essen warten, Schulade nicht öffnen, Tassen und Teller nicht werfen, nicht an Putzmittel, an der Bordsteinkante anhalten, angeschnallt bleiben, keine Pflanzen abrupfen, mit Haustieren gut umgehen, auf ihr Spielzeug aufpassen,…. All sowas war nie ein Thema. Da akzeptiert sie sofort die Regel weil es schon immer so war. Sie fragt vielleicht mal nach, aber nach kurzer Erklärung ist die Sache erledigt. Wir haben keine Probleme mit Massen an Süßigkeiten, süßen Getränken, an der Straße, Situationen an der Supermarktkasse wegen Süßigkeiten oder Spielzeug. Dieses „haben will“ Gefühl zeigt sie nie. Gibt es nicht, ok, akzepiert sie. Die Situation mit dem Pixi-Buch (mein Beitrag vom 18.6.) im Supermarkt war eine komplett andere. Da ging es ja darum dass sie her kommt.
Hat sie Hunger und muss warten kriegt sie etwas Obst wenn sie mag und gut ist.
Für mich wären solche Grenzen-testen-Probleme total verständlich und nachvollziehbar.
Aber das womit wir uns ja schon ewig rumschlagen hat für mich weder Hand noch Fuß und keine Aussicht auf Besserung.


Wir hatten jetzt eine Woche die eigentlich sehr entspannt war. Wir haben morgens mehr Zeit eingeplant, ich bin etwas lockerer und verkneife mir ein paar Dinge die nicht so wichtig sind.
Ich musste wirklich kaum mal strenger sein, wir waren einfach ein tolles Team. Ohne dass ich ihr natürlich alles durch gehen ließ. Sie war einfach anständig und provozierte kaum. Es war richtig toll!
Auch ist z.B. das Thema „zuviel Käse.. zuviel Ketchup“ überhaupt kein Thema gewesen. Sie nimmt, wir sagen stopp das reicht, sie akzeptiert. Ohne dass wir es nochmals thematisiert hatten. So ist es mit ganz vielem gewesen.

Dann war Freitag Nachmittag und ZACK es ging wieder los. Sie Tickte im Stundentakt aus. Ohne Grund.
Sie hörte null. Da will man Samstag vormittag gemütlich ins Schwimmbad (sie wünschte es sich sehr), wollte sie sich nicht fertig machen. Ewigkeiten verbrachten wir damit dass wir endlich los konnten. Klar wir hatten kein Zeitdruck. Aber wenn man um 8 aufsteht und um 9.30 dann mal langsam los will, ist es ja nicht zuviel verlangt. Sie wollte uns einfach ärgern. Mit Absicht etwas anderes als wir.
Dort gewesen krisch sie alle paar Minuten. Sie hatte Spaß, aber reden was sie in dem Moment wollte konnte sie nicht. Hellsehen können wir auch nicht. Sie kreischt lieber anstatt zu reden. Zur Erinnerung: Sie ist 3,5 Jahre und kann sich wirklich sehr gut äußern und erklären.

Sonntag dann wieder so ein Spaß:
Ich brachte ihr aus dem Keller ein kleines Eis mit als Überraschung, sie fragte morgens schon. Sie freute sich, schaute es an, warf es mir hinterher und fing an zu toben. Das falsche Eis. Obwohl sie das sonst genauso mag. Ich packte es weg und sagte bestimmt, dann gibt es eben keins. (Hätte sie, auch etwas sauer oder enttäuscht, gesagt: Ich würde aber lieber ein xy Eis haben, hätte ich es ihr selbstverständlich gegeben)
Ups. Dann ging es los. Mein Mann versuchte ihr dann ganz ruhig zu erklären warum es keines jetzt gibt. Sie schlug ihn mehrfach, er schrie laut Aua weil es klatschte enorm. Er setzt sie auf die Treppe, aus der Situation, es eskalierte immer mehr. Sie schrie um Leben und Tod. Ganz extrem. Er blieb ganz ruhig und sagte er will nicht dass sie ihn schlägt das tut ihm weh. Nix, sie wurde immer noch wilder. Also noch weiter aus der Situation, in ihr Zimmer. Es klatschte immer weiter, auch wenn er einfach nur ruhig bei ihr blieb bis sie sich mal etwas beruhigt hatte. Er sagte sie solle da bleiben bis sie sich ganz beruhigt hatte und kam runter. Dann schrie sie endlich mal einfach nur traurig und nicht aus Wut. Da bin ich hoch und hab sie in Arm genommen und gesagt ich versteh dass sie traurig ist, es gibt jetzt kein Eis weil sie es weggeschmissen hatte. Irgendwann war es dann ok. Aber den ganzen Nachmittag noch das Thema. Warum bekommt sie kein Eis. Sie versteht es nicht.

Heute morgen, wieder ganz in Ruhe aufgestanden. Alles gut. Sie fragte: Warum sind wir immer zuhause? Ja wo willst du denn hin? In Kindergarten! Da gehst du doch jetzt nachher gleich hin! Ich will aber nicht!! Und schrie und tobte weil ich anscheinend ihre erste Frage falsch verstanden hatte. Ich hab den ganzen Zusammenhang nicht ganz verstanden weil ihre Reaktionen auch so wirr waren. Will sie in Kiga? Will sie Unternehmungen machen? Ja gut, wenn man einen nicht versteht kann man mal sauer sein. Und das war wohl der Auslöser für späteres.
Gestern ausgesuchte Kleider funktionierte, Müsli hält sie sich an die kleinen Regeln (wie bei zuviel Käse, nicht thematisiert) Zähneputzen ging auch noch. Haare kämmen. Sie sagte etwas was ich akustisch nicht verstand und fragte ganz kurz und höflich nach. Und dann ging die Bombe hoch. Ansprechbar war sie nicht mehr, sie reagierte auf nichts. Wollte ich sie trösten weil ich sie ja nicht verstanden hatte wollte sie mich hauen. Als ich ankündigte ich geh jetzt raus schrie sie wieder aus Angst und ich konnte sie unter viel traurigem Geheule und Geschrei irgendwie frisieren, dazu bringen die Schuhe anzuziehen und ins Auto zu verfrachten. Aber da funktionierte sie nur noch irgendwie auf meine Befehle, sie war komplett „weg“ und jegliches einfühlsames Verhalten meinerseits wurde wie immer komplett ignoriert.

Ich habe beim Kinderarzt angerufen um einen Termin zu machen. Nächster möglicher Termin: Mitte September. Es ist ja kein Notfall. Auf Nachfrage noch ein Vorschlag in 2 Wochen abends. Sorry, aber um diese Uhrzeit hab ich wirklich andere Sorgen mit meinem Kind als konzentriert dem KiA zu schildern worum es geht. Normal bekommt man innerhalb weniger Stunden einen Termin dort. Bei soetwas wohl nicht.

Eigentlich war ich letzte Woche total happy und überrascht mit wie wenig Aufwand wir ein so tolles Zusammensein auf einmal haben. Der Traum ging leider schnell vorüber.
Ich bin extrem gespannt wie es heute mittag weiter geht. Ich mache da weiter wo ich letzte Woche aufhörte.
22.06.2019, 11:39 Uhr | BabyOne
Hallo ghostcat,

ich habe noch eine Idee zu Deiner Beschreibung, dass die Kleine schon auf Verdacht losschreit weil sie meint dass Du etwas tun willst was ihr nicht passt.

Wenn ihr mal einen ruhigen Moment habt, dann macht doch mal ein Spiel daraus. Mama ist der Roboter und das Kind ist der Bestimmer und darf den Roboter steuern, aber nur mit Worten... sicherheitshalber würde ich so ein Spiel im Kinderzimmer ansiedeln oder auf dem Spielplatz, lieber nicht in der Küche. Bestimmt wird es Deiner Tochter unglaublich gut gefallen, wenn sie Dich mal herumkommandieren darf. Gleichzeitig lernt sie dabei, dass sie sich klar ausdrücken muss, wenn sie etwas erreichen will. Wenn die Stimmung gut ist, kannst Du Dich dann auch mal ein klein wenig blöd stellen und vielleicht könnt ihr dann zusammen darüber lachen, wenn der Roboter mal einfach nicht versteht was er machen soll. Ich könnte mir vorstellen, dass solche Spiele euch helfen, den Ernst aus bestimmten Situationen herauszunehmen und ein wenig die Luft aus dem ständigen Machtkampf herauszulassen, der da bei euch stattzufinden scheint. Wenn ihr das Spiel gefällt, kann man vielleicht auch im Alltag kurz mal den Roboter "anknipsen" und dann aber auch wieder ausschalten, nach dem Motto "so, der Roboter hat jetzt Pause, jetzt bin ich wieder die Mama und will jetzt schnell was erledigen, und jetzt bin ICH der Bestimmer". Ich habe bei meiner Tochter festgestellt, dass sie diese Aussage "ICH bin der Bestimmer" gut aus dem Kindergarten kannte, und dass mir das in manchen Situationen tatsächlich Ärger erspart hat, weil sie diese Ansage viel besser akzeptieren konnte als sonstige Erklärungen.
"Gute Erziehung heißt zu verbergen, wie viel wir von uns selbst halten und wie wenig von anderen." (Mark Twain)
22.06.2019, 10:32 Uhr | marinadiezweite
Hallo ghostcat87, ich möchte auf einer deiner Antworten eingehen. Weil man daran das Problem ganz gut verdeutlichen kann. Du schreibst übertrieben von mir formuliert:'' Eh, ich kann doch mein Kind nicht zum Essen zwingen, ich selbst wurde immer gezwungen. Nein, das geht doch gar nicht!!'' Mit dieser Beschreibung machst du dein Problem deutlich. Und das ist auch das Problem deiner Tochter.
Eigentlich ist es völlig normal, dass sie lernen aus ____Ihrem Verhalten. Das wünschst du dir ja auch dringlichst! Schreibst ja, sie lernt aus keiner Situation. Nun geht es aber nicht darum, dass man ihr den Käse auf den Teller knallt. Und hi, hi, wirst schon sehen, was du davon hast. Es geht schon gar nicht um dich früher. Ich musste auch immer alles aufessen. Was die anderen mir aufgetan hatten. Selbst wenn ich mich fast übergeben musste. Oder wenn es Mengen und Dinge waren, die ich nicht mochte, nicht schaffte. Aber nun geht es darum, dass du deiner Tochter ja eigentlich was gutes tun willst. Nämlich, dass sie lernt, ihre eigenen Mengen zu bestimmen und diese auch zu schaffen. Das lernt man halt Schritt für Schritt. Es geht dabei um leichtfüssige Erziehung. Man kann ihr halt die gewünschte Anzahl drauftun, nochmal kurz, bitte wirklich nur kurz, sagen, so, das hast du dir gewünscht, ich erinnere dich daran, dass du dann auch alles schaffen musst. Ich möchte nichts wegwerfen. (Oder: Ich mag nicht gern deine Reste essen). Also Folge von nicht Aufessen der selbst bestimmten Menge gibt es anschließend keine Diskussionen, auch vorher nicht. Das wollte ich damit sagen. Sie wehrt sich einfach unglaublich gegen dieses nicht auf ihrer Augenhöhe.
Ich kann dir versprechen, wenn man das ein einziges Mal so gemacht hat. Dann wird in Zukunft nur ein Blick von dir genügen und ein Wort. Und sie wird mit einem Nachschlag einverstanden sein und sich erstmal mit einer kleinen Menge begnügen.
Momentan geht es gar nicht um das Essen sondern um einen Kampf. Ich hab übrigens diese Methode ausprobiert. Und sie war sehr erfolgreich. Man muss das wirklich nicht allzu oft wiederholen. Lernen tut sie daraus. Oh, ich schaff das. Aber es geht nicht darum, dass man dann schadenfroh oder böse oder lustig sagt, siehste, hab ich doch gleich gewußt. Oder:'' So, nun sieh zu, wie du das schaffst, siehste, was de davon hast. Soweit lernen Kindern nicht und denken sie auch nicht.
Es muss auch nicht diese Methode sein. Es kann ja auch sein, dass Käse gerade aus ist bis auf diese zwei MInimengen. Es wäre halt nur schön, wenn man die Tochter nicht dauernd unter Beobachtung hat.
Einkaufen auch. Klar, sie soll das lernen. Ich bin auch nicht immer allein einkaufen gegangen, um solche Situtationen zu meiden. Ich hab manchmal nur kleine Einkäufe gemacht. Dann ist es machbar, nicht auf den ''Stress wie immer'' zu warten. Sondern man geht gemeinsam was holen. Was meinst du, wie verlockend alles im Supermarkt ist. Und wie sehr die Kleine sonst darauf achtet, dass sie immer die von dir erwarteten Verhaltensweisen tatsächlich zeigt. Das ist schon wie ein Schema bei ihr.
Diskussionen um das Fernsehprogramm interessieren Kinder übrigens auch nicht. Insoweit nicht, dass sie gar nicht wissen wollen, ob du heute wegen MÜdigkeit und Knatschigkeit sie was sehen lässt. Wenn es aber mal so ist, hab da kein schlechtes Gewissen und mach dir keine Gedanken. Ich wette mit dir, dass viele viele Eltern ihre Kinder viel viel länger vor dem Fernseher parken. Du machst das richtig. Hauptsache, sie merkt, Fernsehen gibt es, weil gerade eine schöne Sendung läuft. Und nicht, weil Belohnung, Strafe oder sonstwas.
Das ist der Punkt, wo Eltern schlauer sein müssen als ihre Kinder. Selbst, wenn sie dich boxen und schlagen will, bleib da leichtfüssiger. Nur so lernt sie, dass immer dann Schluss ist, wenn sie schubst, boxt, sonstwas. Nehm das von ihr vor allem nicht persönlich sondern beende es kurz und knapp.
21.06.2019, 18:13 Uhr | bke-Claudia-Rohde
Hallo Ghostcat87,
Ihre Tochterist ganz offensichtlich in der ersten Autonomiephase bzw. Trotzphase.
Vielleicht helfen Ihnen einige Informationen dazu.
Kinder, in diesem Alter, neigen häufiger dazu, Ihre Ärgernisse, Bedürfnisse und Wut über körperliche Angriffe zu bekunden. Das ist für Eltern sehr unangenehm. Es erfordert sehr viel Gelassenheit und erzieherische Konsequenz von den Eltern, bis das Kind bestimmte Verhaltensweisen lässt und neue erlernt.
Gibt es viele Veränderungen im Laufe der Woche oder läuft alles recht gleichmäßig und strukturiert ab. Auch solche Dinge können Kinder zu solchen Verhaltensweisen veranlassen.
Was Ihre Tochter gerade lernen muss und was für Sie ein Problem ist, ist ihr Umgang mit dem eigenen Zorn. Es ist noch nicht lange her, da haben Sie Ihrem Baby fast jeden Wunsch erfüllte, essen, neue Windel, trösten….Es ist für jedes Kind schwer, wenn es dann lernen muss, dass es z.B. aufs Essen warten muss, die Schubladen nicht öffnen darf, die Tassen und Teller nicht werfen soll. Der Verzicht fällt schwer. Es entsteht Wut und Verzweiflung und das Kind weiß nicht wohin damit, wie es mit dem Ärger umgehen soll. Es wird schon einige Zeit dauern, bis er es nach und nach gelernt hat. Wir Erwachsenen wissen doch auch, wie schwer es manchmal ist, unsere Wut in die richtige Bahn zu lenken.
Sie helfen ihr nicht, wenn es lediglich Verbote gibt und sie sie bei Überschreitungen möglicherweise dafür bestrafen. Sie soll ja unterscheiden lernen, was gut und was unerlaubt ist. Diese Unterscheidungen lernt sie viel eher, wenn es Ersatz gibt und sie dann nicht mehr so wütend werden muss. Es ist gut, ihr Ärmchen zu fassen, sie anzuhalten und dabei „nein“ zu sagen. Sie können auch bestätigen, dass Sie wissen, dass sie sich ärgert, wenn sie dies nicht tun darf. Damit spürt sie, dass Sie sie verstanden haben und lernt gleichzeitig ihr Gefühl zu benennen. Das wird sie später dringend brauchen.
Das Verhalten Ihrer Tochter ist erst einmal nichts Außergewöhnliches. In dem Alter entwickeln die Kinder immer mehr eigene Identität und auch eigenen Willen. Lässt sich letzterer nicht durchsetzen, reagieren Kinder schnell frustriert, weil sie sich mit dem Konflikt noch nicht so auseinandersetzen können, wie größere Kinder oder Erwachsene es tun. Das Kind verfügt noch nicht über ausreichend verbale Fähigkeiten, um diesen Konflikt friedlich zu lösen.
Das hat erst einmal nichts mit der Erziehungskompetenz der Eltern zu tun und lassen Sie sich das auch nicht einreden .Das Verhalten hat sehr viel auch mit dem kindlichen Temperament zu tun.
Müde Kinder, kranke Kinder "trotzen" eher. Kinder, die viele Veränderungen erleben ebenfalls.

Wie können Sie regieren? Wichtig ist, dass Sie ihr deutlich immer wieder die Grenzen aufzeigen. Stoppen Sie wirklich schlimmes Verhalten, in dem Sie sie jedes Mal aus der Situation herausnehmen. Loben Sie sie, wenn etwas gut klappt und sie sich so verhält, wie Sie es sich wünschen, ruhig auch einmal mehr. So kann sie lernen, die Grenzen anderer zu akzeptieren und Regeln einzuhalten.
Versuchen Sie ruhig und gelassen zu bleiben, schimpfen Sie nicht mit ihr, sondern sagen Se ihr, dass ihr Verhalten so nicht okay ist, dass es sie traurig oder ärgerlich macht. Reden Sie nicht zu viel mit ihr, da kann sie noch nicht folgen, sondern handeln sie eher. Zu viele Worte prallen ab. Ihre Tochter befindet sich mitten in der Trotzphase, das heißt: sie will ihre eigene Identität finden. Unterstützen Sie sie dabei. Es ist keine einfache Zeit, aber eine sehr wichtige in der Entwicklung Ihrer Tochter.
Dem Trotzanfall vorbeugen

1. Überprüfen Sie die Liste der Regeln und Verbote! Beschränken Sie sich auf die Regeln, die Ihnen besonders wichtig sind.

2. „Weniger ist mehr“ .Teilen Sie dem Kind mit, was Sie von ihm wollen und verlieren Sie sich nicht in endlosen Diskussionen. Sprechen Sie verständlich klar und deutlich! Endlos lange Erklärungen und Vorträge führen selten zum Ziel.

3. Formulieren Sie die Regeln möglichst positiv. Statt „Hauen ist verboten!“ besser „Wir lösen Streit ohne dem anderen weh zu tun!“ oder statt „Schrei nicht so laut!“ besser „Sprich leise!“


4. Berücksichtigen Sie das Alter des Kindes. Stellen Sie nur Regeln auf, die das Kind nicht überfordern. Lassen Sie Kinder mit entscheiden. Erklären Sie dem Kind kurz und in verständlicher Form, warum es was nicht darf. Je weniger Verbote, desto besser wirken sie. ( Ständiges das kannst du nicht, das darfst du nicht, da hört das Kind irgendwann nicht mehr hin, lehnt sich sogar dagegen auf)

5. Sprechen Sie die Kinder Auge in Auge an und rufen Sie nicht quer durch den Raum


6. Sagen Sie dem Kind genau, was es tun soll. Mit einer allgemeinen Aufforderung wie „Räum auf“ sind kleine Kinder überfordert. Sagen Sie: „Lege die Bausteine in die Kiste und die Sachen in den Korb“.

7. Reduzieren Sie potentielle Konfliktsituationen auf ein Minimum. Entfernen Sie lieber „interessante“ Gegenstände, die für ein Kind ungeeignet sind, als sie dem Kind immer wieder zu verbieten.


8. Wenn Sie genau wissen, welche Situationen bei einem Kind zu Trotzanfällen führen, dann versuchen Sie diese Situationen einfach zu vermeiden. Ist es denn wirklich nötig, den langen großen Einkauf immer mit dem Kind zu erledigen? Gibt es auch andere Möglichkeiten?
Wenn mitnehmen, dann Ablenkung vorbereiten und klare Regeln festlegen.

9. Geben Sie dem Kind die Möglichkeit, sich auf Veränderungen einzustellen. Sagen Sie dem spielenden Kind/ den spielenden Kindern z.B. schon 10 min. vorher, dass Sie bald spazieren gehen wollen. Alles worauf sich ein Kind einstellen kann, kann es auch leichter annehmen.


10. Planen Sie grundsätzlich für alle Tätigkeiten etwas mehr Zeit ein. Wenn Sie sich weniger unter Druck fühlen, fällt es leichter gelassen zu reagieren.

11. Bleiben Sie für das Kind berechenbar. Nichts verwirrt mehr als unterschiedliches Verhalten in derselben Situation.

12. Je mehr Freiräume, desto weniger Trotzanfälle. Freiräume, Freiheiten, um die Welt kennenzulernen, zu untersuchen. Die Neugier muss befriedigt werden. Dinge, die das Kind kann, sollte es auch selber tun können. Selbermachen stärkt das Selbstbewusstsein.


bke-Claudia Rohde
21.06.2019, 15:20 Uhr | -serafine-
Hallo Ghostcat87,

Ich glaube, dass die Kleine überfordert ist UND auch absichtlich Dinge falsch macht. Aus Trotz und Scham.
Ich stell jetzt mal einfach so ein paar Gedanken in den Raum.
Kann es sein, dass Ihr ziemlich kopfgesteuert seid, vielleicht fast überreflektiert und sehr genaue Vorstellungen habt?
Welche Gewichtung haben Fehler denn für Dich? Kannst Du Dir Deine leicht verzeihen? Hast Du Angst vor Fehlern? Wie perfekt musst Du sein, um gut genug zu sein? Wie hoch Dein Anspruch an Dich selber? Erfasst Eure Tochter hinter den Worten und der Fassade Botschaften, die Euch vielleicht selber nicht so bewusst sind? (Musst du natürlich nicht beantworten hier…). Ich frage mich nur, ob Eure Tochter Euch als sehr groß und übermächtig, perfekt empfindet und sich selbst als winzig klein, voller Fehler und irrationaler Gefühle.

Du schreibst, dass sie mit 3,5 sich doch endlich mal an den Alltag gewöhnen muss, in dem man sich eben auch mal beeilen und funktionieren muss. Aber MUSS man das mit 3,5 wirklich? Es ist ja ein großer Entwicklungsschritt in Richtung Autonomie, und ich frage mich, ob der noch zu groß und zu schwer ist für EURE 3,5-Jährige ist. Du schreibst ja selbst, dass sie aus keiner Situation lernt (wirklich, aus gar keiner?). Das ist ja auch ganz schön niederschmetternd für ein Kind, wenn die Eltern es so sehen und darüber verständnislos den Kopf schütteln (nicht so provokant gemeint wie es klingt). Wenn sie die Autonomie nicht schafft, dann weicht sie aus in die Scheinautonomie, indem sie Euch vor unlösbare Aufgaben stellt (wie etwa das unsägliche Bsp. mit dem Taschentuch im Auto, das Schreien, das Treten und Schlagen). Und schwuppdiwupp verlieren die so perfekten, rationalen Eltern die Contenance und schreien genauso rum wie sie selbst…

Woran ich hänge, ist das mit dem Misstrauen Euch gegenüber. Sie scheint ja regelmäßig davon auszugehen, dass ihr sie ärgern wollt und schreit deshalb schon mal los, obwohl ihr ja gar nichts Böses im Sinn habt. Damit macht sie Euch von potentiellen Tätern zu ihrem Opfer. Und befreit sich damit vom subjektiv empfundenen Opferstatus. Dass man auf Täter aber böse ist, kann sie natürlich auch nicht aushalten, und dann müssen Schuldgefühle abgewehrt werden, etc.
Ich persönlich würde mich dem anschließen, nur ganz wenige, elementare Regeln, und die konsequent verfolgen. Alles andere mit Gelassenheit betrachten und ein bisschen Vertrauen in das, Gute, das in Eurer Tochter liegt und darauf wartet, zur Entfaltung zu kommen. Mit den Malutensilien: Muss sie das unbedingt genau jetzt „lernen“? Was ist so schlimm daran, die Verantwortung dafür noch ein Weilchen zu behalten, ggfs. auch mit ihr zusammen den Tisch hinterher abwischen, damit verliert ihre Opposition den Sinn. Dass Ihr sie bei Euch schlafen lasst, finde ich super, denn das ist Friede und Geborgenheit inmitten all der Beziehungsstürme.

Und dann: Gibt es etwas, was Deine Tochter besonder gut kann und Du nicht? Bekommt sie dafür Anerkennung? Könnt Ihr kleine Inseln im Alltag einbauen, wie z.B. einen Heute-ist-der-Schuhe-mit-den-Füßen-Auszieh-Tag, und sie sieht, dass Du es auch nicht besser schaffst als sie, vielleicht könnt Ihr sogar darüber lachen. Überhaupt: Gelassenheit und Humor einbauen, wo immer möglich. Nach de Motto: Bei uns läuft das eben so. So sind wir und so dürfen wir sein.

Ich denke, wenn sie Euch so wenig Vertrauen entgegenbringt wie derzeit und so in ihrem aussichtslosen Kampf verstickt ist, dann steht erstmal Beziehung vor Erziehung.
Wenn sie sich entspannt, dann denke ich, wird auch das Kleiderproblem geringer. Dennoch würde ich das sehr gut im Auge behalten – sie ist ihrem Gefühl da ja hilflos ausgeliefert – und aufpassen, dass sich da nicht etwa noch eine Zwangsstörung entwickelt Ich würde definitiv zu einer Erziehungsberatungsstelle gehen. Auch, um Dich selbst zu entlasten, Du musst ja ziemlich am Ende sein mit Deinen Nerven, wenn ich all dies so lese.
serafin
20.06.2019, 21:50 Uhr | ghostcat87
Liebe BabyOne,

Danke auch für deine Ideen zu unserer Situation. Es ist schön wenn andere mal aus einem ganz anderen Blickwinkel die Dinge beurteilen. Wir sind wahrscheinlich einfach total "Betriebs"blind. Sehr oft wünsche ich mir einfach ein Resetknöpfchen um mal einige Monate zurück nochmal neu anzufangen.

Wegen Fernsehen sind wir auch recht streng wenn man es so sagen kann. TV schauen darf sie jetzt aus dem Programm nichts, es sei denn wir wollen unbedingt untertags mal was kurz schauen oder wenn ich mittags einfach total fertig oder angeschlagen bin und etwas schaue, schaut sie als mal mit aber spielt nebenher. Aber sowas kommt nur alle paar Wochen mal vor. Sie darf aber eben ungefähr eine halbe Stunde Kindermusikvideos und/oder Folgen ihrer Lieblingsserie schauen, Conni. Aber wir achten da sehr auf die Zeit und es gibt auch Tage wo wir garnicht dazu kommen.

Meistens gehe ich auch ohne sie einkaufen oder umgehe mit Absicht einige Situationen um den Gefahrenquellen gleich aus dem Weg zu gehen. Aber manchmal geht es einfach nicht anders und zudem will ich ihr ja nicht irgendwelche Erfahrungen enthalten.

Dein Beispiel mit dem Müsli ist eine nette Idee, aber wie soll ich ihr noch 2 Löffelchen dazu machen (oder so tun) wenn ich meine Hände keine 30cm in die Nähe des Müsligefäßes nähern darf? Würde ich ihr mit Ansage das Müsli nach der richtigen Menge wegnehmen wäre es schon zu spät und es gäbe ihr den… 5. Aufstand des Tages (aufstehen, Treppe nicht runter laufen wollen, das richtige anziehen, Müsliglas aus dem Schrank holen) Sie kriegt ja schon Schreikrämpfe wenn sie nur MEINT wir tun etwas was sie nicht will und uns in der Nähe von etwas sieht, dass wir etwas vorhaben KÖNNTEN was sie aber machen möchte. Wir wissen ja was sie selber machen will und das ist auch ok so. Aber nur weil ich ein Messer brauch für ihr Kindergartenvesper muss sie nicht austicken weil sie meint ich hol für sie ein Löffel raus. Oder wenn ich Marmelade aus dem Schrank hole kreischt sie weil sie denkt ich hol das Müsli. Wenn wir die Milch auf den Tisch stellen kriegt sie einen Kreischanfall vom feinsten weil sie denkt wir schenken ihr die Milch ein. Dabei machen wir soetwas schon ewig nicht mehr, seit sie es eben alleine kann und möchte.

Wenn wir sie aus einer betreffenden Situation rausnehmen wollen und hochnehmen, auch wenn es liebevoll ist, haut sie drauf los.

Ich denke auch dass wir demnächst den Weg zum Kinderarzt gehen. So kann es nicht weitergehen, egal wieviel Mühe wir uns seit Wochen und Monaten geben, es wird nur schlimmer und schlimmer. Wir haben einfach Angst dass sich das über die Jahre hin zieht und der Umgangston hier immer unterirdischer wird.
20.06.2019, 16:41 Uhr | ghostcat87
Liebe Marinadiezweite,

danke für deine Sichtweise. Bei einigen Punkten hast du mich echt zum nachdenken gebracht und ich überlege was ich wie bei uns einbringen kann.
Allerdings wage ich zu bezweifeln dass es bei ein paar bestimmten Dingen passt. Sie rennt ja schon zur Autotür los, da sind wir noch einige Meter von entfernt, hetze ich ihr hinterher denkt sie mal wieder wir spielen fangen und sie rennt weg. Denke aber nach der letzten Ansage hat sich dieses Problem zum Glück erledigt. Seither wartet sie ruhig vor der Türe und hält sich maximal dran fest zum mithelfen.
Beispiel Käse. Ich zwinge mein Kind nicht zum Essen, auch nicht wenn es sich zuviel aufgeladen hat. Ich wurde damals verdonnert den Teller leer zu essen wenn die Augen größer waren. Ergebnis, ich kann bis heute manchmal nicht aufhören zu essen wenn ich satt bin. Ich kann ihr aber auch nicht die Käsetüte nach 2 Portionen aus der Hand reissen, sie hört ja nicht wann sie aufhören soll. Es gäbe wieder riesen Theater. Einzige Möglichkeit, sie nimmt sich kein Käse mehr selbst.
Beispiel Malen. Ich kann sie ja nicht immer rund um die Uhr beobachten. Sie ist 3,5 Jahre, sie kann sich alleine im Haus bewegen und darf auch an ihre Malsachen wie sie mag, auch wenn ich grad in einem anderen Raum bin. Sobald sie die Unterlage nicht nutzt räumen wir jetzt die Malsachen vom Tisch. Natürlich ist sie dann sauer und schlägt. Sie weiß aber ja genau warum sie die Unterlage nutzen soll, wir haben sie schon oft genug den Tisch putzen lassen damit sie sieht was passiert. Aber sie ist schlicht weg zu faul. Unterlage liegt ja auch immer auf den Stiften damit sie dran denkt.

Ich finde mit 3,5 Jahren - es kommt ja auch immer auf das Kind drauf an, verstehen die Kinder schon sehr viele zusammenhänge wenn man es etwas abgespeckt erklärt und zeigt. Und wenn man Kindern nur vor vollendete Tatsachen stellt können sie auch nichts lernen. Mein Kind soll nicht funktionieren, es soll verstehen und lernen. An einer Ampel sagt man ja auch nicht einfach du musst bei rot stehen bleiben, da wird man ja auch etwas ausführlicher.
Es kommt ja immer drauf an wie ausführlich man in welchem Alter erklärt. Vielleicht sind wir in einigen Sachen zu ausführlich. Aber einfach ohne Kommentar über ihren Kopf entscheiden mag ich auch nicht. Es soll ja ein Miteinander hier sein.

Muss mal genauer schauen was wir aber von deinen Anregungen umsetzen könnten. Vielleicht hilft uns ja das ein oder andere *hypocritically*
20.06.2019, 16:40 Uhr | BabyOne
Hallo ghostcat,

ich möchte den Gedanken mit dem Kinderarzt bzw. einer möglichen Ergotherapie verstärken. Es könnte schon eine leichte Wahrnehmungsstörung dahinter stecken, die dazu führt, dass das Kind einfach überempfindlich auf bestimmte Dinge reagiert und vielleicht auch manchmal wichtiges von unwichtigem nicht unterscheiden kann. Geht einfach mal hin und lasst es mal abklären, danach weiß man mehr.

Der andere Gedanke der mir kam ist der, dass man von einem Kind in dem Alter noch nicht zu viel erwarten darf. Ihr seid frustriert, dass sie sich nicht rational verhält, weil man es ihr doch schon erklärt hat oder sie es doch schon gelernt haben sollte. Kinder in dem Alter können sich aber noch nicht so steuern, dass sie sich "vernünftig" verhalten. (Es gibt genügend Erwachsene, die das auch nicht durchgehend schaffen...)

Seht es mal so - sie lernt ganz sicher etwas, nur vielleicht nicht immer das, was Ihr Eltern beabsichtigt habt. Redet ihr in einem scharfen Ton mit ihr, lernt sie vielleicht nicht, dass sie nicht am Autogriff ziehen darf, aber dafür, dass der Papa beim Auto viel schneller sauer wird als wenn sie grob mit ihrer Puppe umgeht und dass Autos irgendwie besonders wichtig sind, weswegen sie beim nächsten Mal unbedingt wieder selbst die Autotür öffnen will. Aus der Sicht eines Kindes ist die Welt nicht so logisch und klar wie aus unserer Sicht... Vielleicht solltet ihr da Eure Erwartungen etwas herunterschrauben. In diesem Alter ist es oft viel besser, bestimmte Konflikte gar nicht erst aufkommen zu lassen. Falls Eure Tochter wirklich überempfindlich auf verschiedene Umweltreize reagieren sollte, dann sollte man auch die versuchen einzuschränken. Ablenkung ist oft die Rettung, wenn sonst nichts mehr hilft...

Also beispielsweise kann man sich so einrichten, dass man möglichst ohne Kind einkaufen geht, dann muss man im Laden nicht streiten was sie anfassen darf oder dass sie bei einem bleiben soll. Wenn es Stress gibt wegen der Ansage dass sie "nur noch eine Folge" schauen darf, dann würde ich halt mal einige zeitlang gar keine Filme mehr erlauben. Dann ist der DVD-Spieler oder Fernseher oder was immer eben kaputt... Ich persönlich bin der Meinung, dass Kinder in dem Alter sowieso lieber möglichst wenig Filme oder Serien schauen sollten. Meine Tochter musste damals oft lange inhalieren und da habe ich sie auch schauen lassen, aber sonst sollte sowas nicht fest zum Tagesablauf gehören. Stattdessen kann man vorlesen bzw. Bilderbücher gemeinsam ansehen, da kann man zusammen kuscheln, das ist schön für sie weil sie damit positive Zuwendung bekommt. Was die Kleidung angeht, haben wir zum Glück ja jetzt Sommer, da muss sie vielleicht gar nicht viel anziehen und man findet vielleicht doch etwas was sie auf der Haut ertragen kann. Zu dem Beispiel mit dem Müsli kann man vielleicht ein wenig schummeln und ihr halt vor ihren Augen noch zwei winzige Löffel oben drauf geben (oder so tun als ob), damit sie zufrieden ist. Wie schon gesagt wurde, Kleidung am Vortag heraussuchen. Immer genug Zeit einplanen, damit es nicht durch Hektik zusätzlich stressig wird.

Und natürlich ganz wichtig, möglichst wenig schimpfen, und möglichst oft positive Angebote machen wie sie Aufmerksamkeit bekommen kann. Lieber loben wenn sie etwas richtig gemacht hat, als schimpfen wenn sie es falsch macht, sondern dann eben nur korrigieren oder die Situation unterbrechen. In dem Alter kann man ein Kind meist noch schlicht hochnehmen und aus der betreffenden Situation herausnehmen. Und sich immer nur auf ein oder zwei richtig wichtige Themen beschränken, an denen man arbeiten will, nicht alles auf einmal ändern wollen. Also wenn das Thema schlafen im Elternbett für euch kein Problem ist, dann lasst es so und kümmert euch um das, was für euch das größte Problem ist.

Ich hoffe
"Gute Erziehung heißt zu verbergen, wie viel wir von uns selbst halten und wie wenig von anderen." (Mark Twain)
20.06.2019, 10:29 Uhr | marinadiezweite
Ich möchte noch was ergänzen. Nicht auf dem Sofa hüpfen finde ich sollte keine Regel sein. Nicht ohne Unterlage malen sollte ebenfalls keine Regel sein. Das sind familieninterne Abmachungen und Wünsche. Das ist nicht der Zeitpunkt Regeln immer zu wiederholen. Ah, Sofa nicht, komm, mein Schatz, runter da. OH, du willst malen, da kommt die Schutzdecke. Teller aus dem Geschirrspüler: räume den Geschirrspüler aus, wenn sie nicht dabei ist.
20.06.2019, 10:23 Uhr | marinadiezweite
Du schreibst, eigentlich empfindest du euch als streng, zu streng. Meine Meinung dazu. Es ist nicht das, was ihr sagt und tut und erklärt. Es ist das, was ihr nicht sagt, was sie aber spürt.
Ich kann euch nicht einschätzen, ob ihr zu streng seid. Aber auf jeden Fall finde ich die Diskussionen sehr und zu umfangreich. Und außerdem erhoffst du immer, dass sie daraus lernt. Sie ist 3,5 Jahre alt und lernt aus keiner Situation. Ob Müsli oder Autotür. Ich dreh das jetzt mal um. Es liegt wahrscheinlich weder an Strenge noch an zuvielen Regeln. Ich glaube, es liegt an den Erwartungen und am Diskutieren. Eine dreieinhalbjährige hat weder Bock auf Diskussionen über Autotüren. Noch versteht sie komplett den Zusammenhang zwischen Autotür schlagen und dem Verschleiß eines alten Autos. Das ist schlicht und einfach viel zu viel erwartet!
Da kannst du noch viele Situationen schildern und die Details. Und ja, ich gebe dir recht. Aber wir sind erwachsen und würden dir sofort recht geben. Ein Kind von 3,5 Jahren jedoch hat das nicht auf seinem Schirm.
Das heißt nicht, dass man Autotüren nun kaputt machen lassen muss, bis ein Kind gelernt hat. Oder bis es im Alter ist, in dem es sowas versteht.
Ich halte sie für schlichtweg überfordert mit solchen Details. Das sind keine Regeln, an die man kleine Kinder erinnern muss. Es ist einfach eine unglaubliche Menge an kleinen Dingen, bei denen sie immer ausgebremst wird. Bei denen sie sich nichts dabei gedacht hat oder denkt. Aber durch diese häufigen Wiederholungen ist in ihrem Kopf gefühlt. Oh, ich mache immer was falsch. Alle zwei Minuten.
Mein Tipp ist nun, dass ihr für sie mitdenkt. Warte nicht, ob sie die Regeln erinnert. Öffne ihr einfach kommentarlos immer die Tür. Ohne Hinweis, warum du das tust.
Wir hatten immer eine Regel, im Auto wird nicht gegessen und getrunken. Das ist meine Regel, um das Auto zu schonen. Aber verstehen tun die Kinder das nicht. Es ist einfach so, dass man sie nicht mit Keksen und sonstwas ins Auto einsteigen lässt. Dass man, wenn ein Eis auf der Faust ist, es vorher aufisst. Da braucht man nichts erklären, das war einfach so bei uns.
Wir haben es einfach so gemacht. Und nicht gesagt, mein Auto ist mir wichtig. Da hören die Kinder, ich habe vier, manchmal nur: ''Du bist ein kleiner Schmadderfink'' und ''Autos sind wichtiger als Kinder''.
Andere Eltern sagen, ist mir egal, wie verkrümelt der Kindersitz ist. Ist ja der Kindersitz des Kindes und ich kann ihn und das Auto saubermachen. Macht es, wie ihr denkt, aber hofft nicht, dass sie es lernt. Nebenbei, ihr glaubt nicht, wieviele Erwachsene Türgriffe hart anfassen und Türen schlagen sowie böse gucken, wenn man sie drauf hinweist.
Die Auswahl und Bestimmung, damit man auch Regeln setzen kann. Nein, finde ich nicht gut überlegt. Weil das eine nichts mit dem anderen zu tun hat. Und weil Kinder da keine Zusammenhänge spüren. Wohl aber merken, dass man mit Ausflippen und Eltern treten richtig viel Aufstand bekommt. Und auch Aufmerksamkeit.
Ich rate euch als zweites, schenkt ihr weniger Aufmerksamkeit bei solchen Situationen. Auch sollte dann nicht diskutiert werden. Weder sofort noch später. Ich glasub nämlich, dass sie deswegen rebelliert und tritt. Es bekommen ja immer alle mit, wenn was ist. Und sie selbst auch. Auch im Supermarkt kann man vorhersehend sein. Einfach KInd bei sich bleiben lassen. Durch den ganzen Laden rufen blamiert ja im Prinzip alle, dein Kind auch. Warte nicht, bis es passiert ist, sondern seh vorher und gönne ihr einen ''guten'' Ausgang der Situation.
DAs Müsli- und das Käseproblem versteh ich nicht. Man kann auch ohne Belehrung sagen, Nachschlag ist immer drin. Wenn du so eine Situation nicht aushälst, dann dreh dich erstmal weg, damit du ernst bleiben kannst. Und sprech mit lockeren Worten. ''So, später gibt es Nachschlag''. Da darf man halt nicht schauen und warten, ob sie austickt. Im Schweigen liegt manchmal die Kunst.
Oder umgedreht. Du tust wie gewünscht drauf. Und wenn es überbleibt, ''zwingst'' du sie, aufzuessen. Das ist unglaublich, wie erfolg- und lehrreich so eine Methode ist. Wichtig scheint mir dabei immer, dass es keine Gewinner und Verlierer gibt.
19.06.2019, 17:06 Uhr | ghostcat87
Hallo Herr Bäcker,

die Situation mit der Autotür:
ich hab es schon mehrfach versucht ihr in Ruhe zu erklären, bzw hab es auch. Bin zu ihr runter, hab es ihr an der Autotüre gezeigt dass der Griff wackelt, erklärt dass es so kaputt geht. Letzten Endes kam ich mir immer vor als redete ich an eine Wand. Sie hat es nicht verstanden. Als würde ich eine andere Sprache sprechen.
Bei ihr fängt das Problem ja schon an, sie von der Autotür abzuhalten. Oder sie ruhig in den Arm nehmen können in der Situation. Bei ihr gehen die Alarmglocken schon viel früher an, nämlich dann wenn wir einschreiten, egal was wir sagen. Sei es Nein, Stopp oder wenn wir etwas zeigen wollen - sie ist da in einem Tunnel und kriegt nichts mehr mit, sie hört nicht zu, sie reagiert auf Berührung nur mit Treten, Schlagen und Kreischen. Oft scheitert es auch daran dass sie sich eigentlich äußern müsste was sie meint oder was wir ganz einfach sagen zu ihr, sie soll reden, nicht schreien. Schreien verstehen wir nicht, reden hilft uns dagegen sehr.

Eben wieder die Diskussion, es gibt 3 Folgen ihrer Serie. 3 - dann ist Schluss und sie macht aus. Dann bittete sie und bettelte, nein, Aus. Sie machte aus und krisch los, tritt mich und holt mehrfach nach mir aus.
Ich hab sie dann wie immer auf die Treppe gesetzt (unser Weg aus der Situation zum runter kommen) und ihr das ganze nochmals erklärt. Mama sagt 3 Folgen, danach ist Schluss. Da braucht man nicht treten und hauen weil mir das weh tut und sie will ja auch nicht dass ihr jemand weh tut. Hab sie dann wie immer einige Minuten sitzen lassen und gefordert dass sie Ruhig bleibt, in der Regel tobt sie da nämlich nur grinsend und rutscht von der Treppe runter und will wegrennen um mich zu ärgern.
Nachdem sie ruhig war sagte sie sie will sich entschuldigen. Sie kam und entschuldigte sich wie man es im Kindergarten halt lernt, aber den Sinn hat sie nicht verstanden da sie egal was. es immer und immer wieder tut.

Im Kindergarten sagte man mir mal sie sei sehr intelligent und gewitzt, sie wisse wie sie bestimmte Dinge bekomme.
Sie redet zuhause sehr gut und versteht in einer normalen Unterhaltung alles. Also am Verständnis und der Kommunikation sollte es in den seltensten Fällen liegen.

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