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17.01.2020, 09:01 Uhr | bke-Stephan-Bäcker
Liebe Eltern,

die Halbjahreszeugnisse nahen. Für viele junge Menschen heißt das: Wo soll ich mich bewerben? Oder: Welches Studium soll ich nach dem Abi machen? Dual oder nur Uni? Oder doch lieber erst einmal ins Ausland? Oder Bufdi? Oder ein Ökologisches Soziales Jahr? Oder erstmal jobben? Oder erstmal chillen?

Mit diesen Fragen beschäftigen sich nicht nur die Jugendlichen, sondern natürlich auch die Eltern. Wie unterstützen Sie Ihre Kinder? Was hilft, bei der Auswahl? Oder ist es besser, sich völlig rauszuhalten? Ist es heutzutage schwieriger geworden als früher, die "richtige" Entscheidung zu treffen?

Was junge Menschen brauchen: Wo sind meine Fähigkeiten? Was macht mir Spaß? Kann ich meine Fähigkeiten selbst richtig einschätzen? Möchte ich das reflektieren, wenn ja, mit wem? Wo bekomme ich die Infos über Angebote, Berufe, Studienplätze her? Sollte ich vorher Praktika machen? Wenn ja, wie viele?

Hier gibt es noch sehr viele andere Überlegungen. Welche haben Sie? Was hilft Ihnen? Oder hat Ihnen geholfen?

Ihnen schicke ich viele Grüße

bke-Stephan-Bäcker
04.02.2020, 13:32 Uhr | Pauliprinzessin
Ich sehe die Schwierigkeit nicht in der Unterstützung sondern eher darin, dass es heute so viele neue und interessante Berufe gibt von denen wir in unserer kleinen Alltagsblase gar nichts wissen. Auch die Schulen sind da keine Hilfe- ja, OK es gab bei unserem Sohn zwei Wochen bei der Handwerkskammer- schnuppern jeweils 2 Tage in Bürokaufmann, Friseur, KFZ und Elektriker. Zudem habe sie eine Liste mit Betrieben für das vorgeschriebenen Praktikum in der 9. Klasse.
Eine Tochter wusste was sie wollte, ist Kranke Schwester mittlerweile auf der Intensivstation. Die andere wollte erst Abi, hat sie mit ach und krach dann noch geschafft(Faulheit lässt grüßen) und hat sich dann durch die Ergotherapie Schule bugsiert. Ob das dass ist was sie tatsächlich will? Es scheint ihr Spaß zu machen,sie macht sich in zwei Monaten selbständig mit 24 Jahren. Bei den Jungs war es etwas schwieriger- der eine einfach künstlerisch begabt- daher haben wir dafür gesorgt, dass er auf ein berufliches Gymnasium wechselt und er mit der Fachhochschulreife gleichzeitig Mediengestalter als Ausbildungsberuf hat. Er arbeitet in diesem Beruf, leider etwas unterbezahlt und mit vielen Überstunden. Sein Traum ist es jetzt noch mal im Herbst einen Studienplatz zu bekommen. Er wusste nicht was er machen sollte und hat sich auch nicht interessiert. Einzig, dass er auf der Regelschule null Bock und entsprechende Zensuren hatte die nicht dazu befähigt hätten, dass er ein normales Abi geschafft hätte. Der Große ist derjenige der sich so durchlaviert. Hier ein bisschen studieren und da noch ein bisschen. Er muss zusehen wie er klar kommt und irgendwie schafft er es auch immer wenigstens nicht zu verhungern und ein Dach über dem Kopf zu haben. Für uns als Eltern - brotlose Kunst ohne Zielführendes Studienergebnis. Für ihn- genau richtig. Er schreibt nebenher Texte und Musikkritiken .
Bei unserem Nesthaken geht es wohl in die Richtung Technik oder Chemie/Physik. Das hat er drauf. Welcher Beruf daraus werden kann. Da brauchen wir wesentlich mehr Überblick was man damit alles anfangen kann außer Materialprüfer oder Automechaniker.

Dass man sich ändert und auch was neues starten kann, dafür bin ich das beste Beispiel. Erst Zahnarzthelferin, das hat sich so ergeben- andernfalls hätte meine Mutter bereits den Ausbildungsplatz zur Bürokauffrau auf dem Küchentisch liegen gehabt. . Später dann Versicherungsfachfrau selbständig und mittlerweile Immobilienkauffrau. Zwischendrin noch ein paar andere Sachen probiert und auch mit Zertifikaten und Weiterbildung nachzuweisen. Ich könnte auch irgendwo die Bilanzbuchhaltung übernehmen oder eine Firma leiten mit Auslandskontakten und entsprechenden Sprachkenntnissen oder Übersetzungen erledigen ( ich kann 3 Fremdsprachen gut und einige andere für den Hausgebrauch, einfach so, weil ich mal Spaß daran hatte) . Für mich gibt es glaube ich nicht den perfekten Beruf, der mich über viele Jahre befriedigt. Alle paar Jahre fängt es an mich zu langweilen und irgendwie beschleicht mich dann das Gefühl ich hätte alles darin erreicht und es muss was neues her. Jetzt mit Anfang fünfzig kommt dann die Vernunft und sagt mir- es ist gut, es reicht.

Daher kann ich jeden jungen Menschen verstehen, dass er erstmal dies und dann später doch etwas ganz anderes will. Einfach mal anfangen und auch etwas beenden wäre genug.
Zuletzt editiert am: 04.02.2020, 13:42 Uhr, von: Pauliprinzessin
23.01.2020, 08:37 Uhr | marinadiezweite
Hallo, ich hab das ja einige Male durch mit dem Unterstützen der Kinder bei der Berufswahl. Besonders bei meinem ältesten Sohn hab ich noch sehr zu- und abgeraten. Aber er selbst hatte immer eine bestimmte Richtung. Und beeinflusst oder mitentschieden hab ich nur, als er in eine brotlose Kunst einsteigen wollte. Nein, nicht Künstler, sondern in einem Beruf, in dem man kaum Arbeitsstellen findet. Er hat dann nach einem Praktikum selbst seinen Weg gefunden und es ist immer noch sein Traumjob. Besonders in seinem Arbeitsbereich und in unserem Familienumfeld war das früher wirklich so: Der Weg war vorgegeben. Das hängt einfach mit dem Beruf zusammen, Landwirtschaft.
Heute geht das nicht mehr, dass alle Söhne Landwirtschaft lernen und ich bin immer noch froh, dass wir uns gegen Verwandtschaft durchgesetzt haben.
Bei den anderen Kindern war es da schon einfacher, sie selbst wollten Abitur machen. Dann finde ich, können sie auch selbst ihren Weg finden. Oder ihre Umwege. Schade war es zu der Zeit, dass das G12 noch aktuell war. Dadurch fehlte den Kindern ein Jahr, was man sonst für die Berufsorientierung nutzt. So war erstmal Ratlosigkeit angesagt. Und eine gewisse Tendenz zu bestimmten Berufen. Das haben sie selbst so entschieden und ausprobiert.
Ich finde, einser-Abitur hin und her. Wenn man diesen Notenschnitt nicht hat, dann sagt einem das Leben schon, dass man einige Träume nicht verwirklichen kann. Na und? Es gibt Umwege, weitere Möglichkeiten. Hauptsache, das macht einem Spass und man braucht nicht nochmal 6 Jahre hintendran, um endlich Geld zu verdienen.
Mit einem selbst kann man das gar nicht mehr vergleichen. Meine Berufswahl war früher sehr niedrig angesetzt. So musste ich mich durchboxen, weil ich unbedingt Abi machen wollte und dann studieren. Da hatte ich alle gegen mich. Das Jobben während des Studiums hat mir nicht geschadet. Aber nur insofern, dass ich immer gern praktisch gearbeitet habe. Vom Zeitaufwand ist es stressig gewesen. Denn früher gab es auch schon Anforderungen und Höchstsemester und weiß ich was. Und auch Bafög musste früher schon zurückgezahlt werden.
Durch diesen Druck von aussen hab ich aber leider nicht meinen Traumberuf gewählt. Und das hab ich später sehr bereut. Ich wußte einfach nicht, was meine Talente sind. Hab nur praktisch gedacht, weil dann alle meinten, wenn schon studieren, dann mach mal das und das.
Heute würde ich das einfach nicht mehr so sehen. Es ist wichtig, dass man sich selbst und seine Fähigkeiten und Talente in seinem Beruf entdeckt. Und da können die Eltern einem nicht allzuviel bei helfen, und schon gar nicht reinreden.
Am Wichtigsten ist, dass die Kinder irgendwann auf eigenen Beinen stehen. Dass es ohne finanzielle Unterstützung von den Eltern geht, sobald die Ausbildung beendet ist. Ohne Ausbildung geht heute gar nicht, finde ich.
21.01.2020, 19:39 Uhr | bke-Kira-Morgenthal
Guten Abend FrauWaD,

hiermit möchte ich Sie bei uns im Elternforum begrüßen und freue mich, dass Sie nicht mehr still beobachten, sondern uns teilhaben lassen: an Ihren Gedanken und an Ihrer Geschichte. Sie wollten es anders machen als Ihre Eltern und machen nun selbst als Mutter eigene Erfahrungen mit dem Sohn. Es klingt nicht so, als ob Sie bereuen, es anders gemacht zu haben. Ihr Sohn kritisiert Sie zwar, aber ich habe das Gefühl, dass Sie dazu bereit sind, die Kritik hinzunehmen ohne sich dabei schuldig zu fühlen. Das könnte ihn dazu befähigen, selbst die Verantwortung zu übernehmen! Die Kritik der Kinder gehört immer zur Ablösung dazu und ganz ehrlich: egal, wie man es macht, finden die Kinder meistens etwas an der Erziehung der Eltern, was sie anders machen konnten oder müssten. Wenn sie alles richtig machen würden, würden die Kinder sich jedoch nicht entwickeln können. Sie lernen etwas fürs Leben, wenn wir es nicht perfekt machen als Eltern und das ist gut so: nur so werden sie motiviert, selbständig und unabhängig! Ich könnte mir vorstellen, dass es noch eine Weile dauert, bis Ihr Sohn die Verantwortung für eigene Entscheidungen voll und ganz übernehmen kann. Er sucht nach dem Sinn seines Schaffens. Das ist doch eine gute Richtung! Und Sie begleiten ihn dabei. Das wird er spüren und natürlich Ihnen gegenüber nicht zugeben.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft und einen hilfreichen Austausch hier bei uns im Elternforum.

Mit freundlichen Grüßen

bke-Kira-Morgenthal
21.01.2020, 17:19 Uhr | FrauWaD
Hallo lieber Herr Bäcker und liebe Mit-Eltern,

als bisher stille Mitleserin möchte ich mich zunächst für die Anregungen und indirekte Unterstützung im Umgang mit meinem fast 18jährigen Teenager bedanken. Es hilft viel, zu lesen, dass man nicht allein ist. Und ich freue mich sehr über die wertschätzende Art der Antworten hier im Forum, niemand muss sich schlecht fühlen, weil es nicht rund läuft und niemand wird pauschal runtergeputzt oder abgestempelt. Auch dafür vielen Dank!

Nun zur Frage und zu meinen Erfahrungen: Da mir selber der Beruf durch meine Eltern quasi vorgeschrieben wurde, ich irgendwie keine Alternativen sah und einfach den bequemsten Weg ging (über den ich jetzt nach 20 Jahren nicht mehr glücklich bin), wollte ich meinem Sohn mehr Freiheit bei dieser Wahl lassen. Ich sagte mir und ihm "Besser jetzt erstmal ausprobieren, sich Zeit nehmen und eine wohlüberlegte Entscheidung treffen, als später mit 30 eine Familie versorgen müssen und zu diesem Druck noch unglücklich im Beruf sein."
Ich gestand ihm also nach dem 10. Klasse-Abschluss (damals war er 16) noch 3 weitere Jahre ein, in denen er sich *aktiv* und in Ruhe umschauen kann. Bedingung war und ist nur: auf dem Sofa liegen und nichtsun gilt nicht - es muss etwas gemacht werden. Klingt prima, nur muss der Charakter des Kindes auch zu diesem Plan passen...das Kind war mit dieser Freiheit nämlich so überfordert, dass es bis kurz vor der Angst hilflos im Zimmer saß und an die Wand guckte. Oder einfach feiern ging und nicht an morgen dachte. Berufsberatung, Verwandtengespräche etc. machten alles nur noch schlimmer - ständig gab es noch mehr Möglichkeiten und Ideen! Irgendwann stand er verzweifelt vor mir und meinte "Mama, ich wünschte, mir wäre wie früher der Weg vorgegeben und ich wüsste, dass ich gar keine Wahl habe!" Sein Fachabitur hat er mittendrin abgebrochen (er sah keine Sinn darin), jetzt absolviert er eine berufsvorbereitende Maßnahme in einem ganz anderen Bereich (Berufsschulpflicht!). Mein Problem bei der Sache ist, dass ich ihm einerseits weiter Mut mache, dass er sich umschauen und ausprobieren soll, aber andererseits immer dagegen ankämpfen muss, die Geduld zu verlieren. (Er muss doch was tun!!! Das wird ja nie!!! Oh Gott, schon bald ist das Jahr rum!!! Großtante Erna hat auch schon wieder gefragt!!!) Tief im Innern weiß ich, dass er das auch irgendwann hinkriegt aber es fällt mir manchmal schwer, diese Zuversicht auch nach außen zu halten. Zumal auch wir natürlich von Überflieger-Kindern mit Einserabituren und fertigen Lebensplänen umgeben sind...
Ich denke, dass ich vielleicht schon viel eher mit ihm die Berufswahl hätte thematisieren müssen oder hätte strenger sein müssen oder oder oder ... das übliche Gewissen aller Eltern. Irgendwo habe ich hier mal zwei wichtige Dinge gelesen, zum 1.: Man darf als Eltern niemals die Zuversicht und das Vertrauen verlieren! und 2. In einem Jahr lachen wir über die jetzigen Sorgen - wahlweise sind sie vergessen oder es ist alles viel schlimmer geworden... (-:
Daran halte ich mich jetzt und freue mich über kleine Fortschritte: "Mama, ich weiß jetzt, dass meine Arbeit einen Sinn haben muss!" Daumen hoch
Zuletzt editiert am: 22.01.2020, 09:40 Uhr, von: FrauWaD

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