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Eltern, Jugend, Jugendliche, Pubertät, Sorgen, Probleme, Stress, Sexualität, Ritzen, selbstverletzendes Verhalten (SVV), Missbrauch, Mobbing, Schule, Beratung

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07.08.2020, 09:23 Uhr | bke-Lorenz-Bauer
Liebe Eltern,

kürzlich habe ich auf der wechslendenThemenseite einer Tageszeitung (dieses mal war die Seite der Psychologie gewidmet) einen Artikel zum Umgang und dem Leben überhaupt mit Jugendlichen gelesen. Vielleicht denken Sie jetzt im Moment, während sie diese Worte lesen, etwas wie "schon wieder, das kennen wir doch schon alles..." Verständlich, es wird in der Tat viel geschrieben. Das will ich hier nicht tun, ich will nur zwei Aspekte des Artikels mit Ihnen teilen, die mir schon lange genug -beruflich wie privat- bestens bekannt sind und sich dennoch immer wieder "verflüchtigen" im Umgang mit Jugendlichen.

Zum einen wäre das die Erkenntnis, Jugendliche verwenden Ihre Energie in der Pubertät nicht unbedingt für Lernen, gute Noten oder dafür, sich so zu verhalten, wie wir es gerne hätten, sondern für die Umstellung vom Kinder- zum Erwachsenenkörper. Zum anderen sei es ratsam, folgende Haltung einzunehmen: Es kann etwas passieren, was ich nicht möchte und das ist okay so.
Ich finde, dass kann man nicht oft genug hören und sich vielleicht auch zu Herzen nehmen *wink*.

Viele Grüße + schönes Wochenende,
bke-Lorenz Bauer
16.08.2020, 20:06 Uhr | Schnitt-chen-frau
Hallo marinadiezweite,

die Ausgangaussage war ja: "Es kann etwas passieren, was ich nicht möchte und das ist okay so". Ich denke, die Aussage ist zu pauschal, insbesondere was die Defintion von "passieren" angeht. Es ist also NICHT alles OK, was die Pubertät oder Entwicklung so mit sich bringt.
Das mit der Zivilcourage ist vielleicht faslch rübergekommen. Sicher darf man mal den Mund aufmachen, jetzt kommt aber das große Aber. Andere Kinder zu kritisieren bringt es auch schon mal mit sich, dann auch mit den Eltern aneinanderzugeraten. So etwas führt nicht selten zu Nachbarschaftsstreitigkeiten. Es ist also immer abzuwägen, wie tolerant man da ist. Es ist ja in der Vergangenheit zu vereinzelten Angriffen auf Busfahrer gekommen, die jugendliche auf die Maskenpflicht aufmerksam gemacht haben. Eine Risikoabschätzung wieviel Zivilcourage erlaubt ist und nicht, bleibt also im eigenen ermessen. Das klingt jetzt vielleicht so, als wenn ich Angst habe oder Feige bin, nein, das ist nicht der Fall, ich versuche immer einen Mittelweg und es gibt auch Grenzen. Allerdings habe ich den letzten Jahren eine steigende Antiautorität festgestellt.

Grüße
16.08.2020, 08:41 Uhr | marinadiezweite
Hallo Schnitt-chen, du schreibst, Zivilcourage ist nicht immer der richtige Weg. Fast hab ich damit gerechnet, dass so eine Bemerkung kommt. Ich möchte aber betonen, dass unsere Jugendlichen die Diskussionsgeneration sein mögen. Dass ich aber nicht Lust habe, mich in jede Diskussion mit einzuklinken. Ruhig bleiben und akzeptieren, dass die Jugendlichen keinen Bock auf Lernen haben, ist die eine Seite. Dinge anderer zerstören ist die andere Seite.
Du kannst immer gern deine eigenen Sachen kaputt machen als junger Mensch. Null Bock haben. Aber darum geht es für mich nicht. Da kann man leider oft wenig dagegen setzen, je mehr man das tut, desto bockiger und aufmüpfiger scheinen mir manche Jugendliche zu werden. Für mich ist aber was ganz anderes, wenn sie frustiert sind und dann Dinge anderer zerstören. Da hört für mich das cool bleiben, das abwarten und das Verständnis auf. Von wem sollen sie es lernen, wenn nicht von aufmerksamen Mitmenschen. Nach hinten losgehen? Na, ich greife nicht direkt ein, wenn ich nachts um 23 Uhr in der Dunkelheit bemerke, dass 5 junge Männer, (können von 14 bis 16 sein), sich um Laternenpfähle wickeln und dies versuchen, umzustoßen. Da halte ich Abstand, rufe von weitem, dass ich das nicht toll finde. Und je nach Reaktion würde ich es sogar wagen, die Polizei zu rufen. Das bedeutet weder, dass ich mich in Gefahr begeben wollte noch dass ich vor lauter Angst lieber wegsehe. In einem einsamen Wald oder Park würde ich mich das in der Tat nicht trauen. Aber wir leben hier in einer Kleinstadt und ich kenne diese jungen Leute, die da Blödsinn machen und noch lange nicht volljährig sind.
Der eine, der ''Alte Kuh'' gerufen hat, den kannte ich zuerst nicht. Bis ich ihn in der Zeitung sah, seinen Namen und dass er zu einer gutsituierten Familie gehört und eine Ausbildung macht. Da hab ich noch gedacht, guck mal an, wie sich drei Jungen gemeinsam stark fühlen. Aber wie gesagt, es war am hellichten Tag, mitten auf einer belebten Strasse und da geht nichts nach hinten los. Da geht es immer noch frecher zu sein als freche junge Leute.
14.08.2020, 18:36 Uhr | Schnitt-chen-frau
Hallo,

nein es ist nicht jugendtypisch. Ich kann nicht sagen, wieviel Prozent es sind, die sich so Verhalten.

Ich kann auch nicht sagen, das mich meine Eltern, Freunde oder andere daran gehindert haben, Mist zu bauen oder auszuticken. Ich hatte Angst vor den Konsequenzen und da war die Ohrfeige oder Stubenarrest die Regel. Ich erinnere mich an eine Klassenfahrt in Frankreich, da hat eine Mitschülerin einen Kaugummi ausgespuckt, es kam ein Polizist, der hat richtig Stress gemacht ...

Wenn ich heute sehe, wieviele da ohne Masken unterwegs sind oder die Dinger einfach wegwerfen, kostet ja etwa 80 Cent ... weg - egal ... Pfanddosen weg .... 25 Cent egal. Soll man da als Passant mit dem erhobenen Zeigefinger danebenstehen, wenn es die Eltern nicht interessiert oder diese selber so leben oder es vormachen. Helfen tut eine gute Erziehung, wenn diese den oder die Jugendliche erreicht, bei einigen oder den meisten funktioniert es ja ... Gott sei Dank.

Ich hatte noch vergessen, das sich einmischen oder Zivilcourage nicht immer der richtige Weg ist, es kann auch nach hinten losgehen und wenn man an die falschen gerät, ist man selbst schnell Opfer. Ich weis nicht, woher die Agressivität kommt. Meine Tochter sagt, die Schule sei ein Tollhaus, viele seien frustriert und agressiv , die Lehrer genervt ...

Grüße
Zuletzt editiert am: 14.08.2020, 18:52 Uhr, von: Schnitt-chen-frau
14.08.2020, 14:30 Uhr | bke-Stephan-Bäcker
Hallo liebe Eltern,

selbstverständlich ist Vandalismus nicht in Ordnung. Und Beleidigen auch nicht. Ist es aber jugendtypisch? Gehört provozieren, ältere nicht ernst nehmen dazu? Und auch das Schämen, wenn sich erwachsene Menschen später daran erinnern, was sie früher für einen MIst verzapft haben? Und auch die Erkenntnis: Zum Glück haben meine Eltern, mein Onkel, meine Lehrerin, der Nachbar, die Sozialarbeiterin, mein bester Freund.... mich daran gehindert, noch mehr auszuticken.

Ich plädiere dabei nicht für wegsehen und: "Ach, die Jugend, das wird schon wieder." Sondern schon für hinsehen. Für klare aber freundliche Haltungen. Und ich frage mich: Was hilft jungen Leuten, dass sie tolerant werden? Verantwortung übernehmen? Fehlverhalten erkennen? Wiedergutmachung leisten? Haben Sie Ideen und Erfahrungen dazu?

Viele Grüße schickt

bke-Stephan-Bäcker
14.08.2020, 10:36 Uhr | marinadiezweite
Hallo, ich finde, diese Aussage, dass manches nicht in Ordnung ist, man es aber als okey bezeichnet, sollte nicht pauschal auf alles bezogen werden. Jugendlicher Leichtsinn oder Vandalismus, das ist zwar eine Begründung für die besagten Taten wie Friedhofszerstörung. Es ist aber keinesfalls als eine Art von Entschuldigung gedacht, nach der Devise, wer jugendlich ist, darf das oder macht sowas schon mal. Man kann da wie auch anderswo in der Tat nicht immer Aufpasser hinstellen. Aber wenn ich oder wenn man irgendwo mitbekommt, dass sowas gemacht wird. Da könnte ich noch paar mehr Sachen aufzählen, dann ist das sich ausprobieren, oft in der frechen Gruppe der Jugendlichen dennoch nicht in Ordnung. Nicht okey. Da jetzt nichts zu sagen, ist nicht das, was ich hier unter der Bemerkung verstehe.
Gerade, wenn man was sagt, dann bekommt man auch Antworten, ist mir doch egal, sch... Friedhof, ey Alte, verpiss dich. Aber ich hab es zumindest versucht. Lass se doch dann angeben, dass sie nicht nur Vasen oder Flaschen zerdeppert haben sondern auch noch eine ''Alte'', mal richtig eingeschüchtert. Die Verursacher sollen ruhig wissen, dass sie (wie auch Erwachsene, die Blödsinn machen) unter Beobachtung stehen.
Okey ist eher, dass in der Schule nicht immer alles rund läuft. Das eigentliche, das Faulenzen, keine Hausaufgaben machen oder ähnliche Probleme, das ist natürlich nicht okey. Aber endlose Diskussionen über doofe Schule und wozu lernen wir das, braucht ja eh keiner, die kann man sich in der Tat sparen. Heißt für mich, ich muss es nicht täglich sagen. Mich nicht dauerhaft, tausendmal und endlos wiederholen. Denn gerade dadurch kommen viele Jugendliche auf die Idee, dass sie für die Schule, für die Eltern oder für die Lehrstelle lernen.
Was aus diesem ganzen ''überflüssigen Kram'' sie tatsächlich brauchen, das müssen sie letztlich selbst erspüren. Besonders, wo ihre Interessen liegen.
Auch Verhütung sagen viele ''ja, ja''; weil es sie noch nicht interessiert, nicht akut ist. ''Was ihr immer denkt!''. Wenn es akut ist, werden wir Eltern nur hoffentlich davon erfahren und angesprochen werden über Verhütung. So gesehen kann man sich diese Bemerkungen auch sparen.
08.08.2020, 08:45 Uhr | Schnitt-chen-frau
Hallo,

pauschalisieren kann man die Aussage nicht. Es kommt auch immer darauf an, was "passiert", denn möglich ist alles. Wenn es Dinge sind, die die Entwicklung oder die Zukunft nachhaltig beiträchtigen, ist es sicher nicht Okay. Ich finde es daher auch nicht Okay, wenn (zum Beispiel) im Falle von Vandalismus auf einem Friedhof, die öffentliche Hand von Streichen jugendlicher spricht. Mir ist klar, das die nicht an jeder Ecke einen Wachmann stellen können, aber welchen Eindruck erwirkt das bei Jugendlichen, wenn alles Okay ist. Ich denke, mit dieser Einstellung in der Erziehung begeht man einen Holzweg!

Daher erkenne ich oder sehe ein Art Leichtsinn und Gleichgültigkeit, auch bei meiner Tochter. So auch der Klassiker, die Verhütungspredigt: Mama hör auf ...
Das ärgert mich dann auch, insbesondere wenn es dann zu einer Schwangerschaft kommen würde. Diese No-Risk-No Fun Einstellung, wenn sie verstehen, was ich meine.

Trotzdem bin ich bei Themen wie Kosmetik und Styling nicht konservativ und ermutige meine Tochter auch, Dinge auszuprobieren. Man kann über viele Dinge reden, Haare wachsen nach aber ein Tattoo lässt sich nicht so schnelle wieder entfernen. Ich finde, nicht alles ist Okay, wichtig ist der Dialog ...

Schönes Wochenende

Treffer: 7

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