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Eltern, Jugend, Jugendliche, Pubertät, Sorgen, Probleme, Stress, Sexualität, Ritzen, selbstverletzendes Verhalten (SVV), Missbrauch, Mobbing, Schule, Beratung

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25.08.2020, 10:18 Uhr | Fine06
Hallo zusammen,

auf der Suche nach Rat bin ich auf diese Seite gekommen und möchte mal meine Sorge hier zur Diskussion stellen. Das Thema ist relativ komplex und hat mehrere Aspekte.

Meine 15jährige Tochter ist ein eher schüchternes und introvertiertes Kind. Schon immer, allerdings verstärkt sich das gerade in der Pubertät extrem.
Dazu kommt, dass sie eigentlich Schule stets nur als Stress empfindet. Obwohl sie eine gute Schülerin ist. Sie will auch eine gute Schülerin sein, ist aber gleichzeitig
manchmal nicht gewillt, das Nötige dazu zu tun. Letztlich macht sie aber immer alles, was zu tun ist. Grundsätzlich ist sie aber von Schule nur genervt und kommt manchmal völlig erschöpft
von der Schule und ist dann traurig, trotzig und einfach schlecht drauf. Teilweise weint sie auch.
Ihr Problem in der Schule ist auch, dass sie sehr ruhig ist und aufgrund dessen ihre mündliche Leistung nicht den üblichen schulischen Anforderungen genügt. Auch darüber ärgert sie sich.
Ihre guten schriftlichen Arbeiten werden dadurch immer abgewertet und das frustriert natürlich zusätzlich.

Ich versuche ihr immer wieder Mut zu machen, zu sagen , dass sie toll ist, so wie sie ist, aber bisher konnte ich ihr dies nicht wirklich verinnerlichen.
Ihre generelle Lebenseinstellung ist eher negativ. Ich kann das sowieso nicht, ich schaff das nicht, ich bin so blöd.... sind Aussagen, die ich leider oft höre.

Ihr soziales Leben bröckelt im Moment auch ziemlich. Sehr negativ hat sich hier auch die Homeschooling-Phase ausgewirkt. Die fand sie natürlich toll. Lernen ohne zur Schule gehen und die Lehrer sehen zu müssen, war für sie "genau das Richtige". Ich als Mutter sehe das natürlich anders. Sie hat sich in dieser Zeit natürlich noch mehr eingeigelt. Sie hatte und hat eigentlich immer Freunde. Im Moment sind die ihr aber nicht so wichtig. In der Schule schon, da braucht sie schon ihre Leute, um Sicherheit zu haben. Aber nachmittags finden im Moment keine Verabredungen statt.
Sie ist eigentlich in ihrer Klasse recht beliebt, hat keine Probleme mit Mitschülern. Sie kommt als nettes Mädchen gut an. Ist aber auch gleichzeitig zurückhaltend und geht kaum auf andere zu. Nur wenn sie muss.
Ein richtiges Hobby hat sie auch nicht mehr. Ein bisschen Gitarre spielen, aber das ist auch nicht so die ganz große Leidenschaft. Sie ist an englischer Sprache interessiert und schaut viele englischsprachige Serien oder Filme. Das ist so das einzige, was ihr derzeit wichtig ist: Englisch lernen. Sie zu motivieren, etwas zu unternehmen oder sich ein mal neues Hobby zu suchen (z.B. Sport) schaffe ich nicht. Sie will halt nicht.
Sorry, dass es soviel Text ist. Ich hätte gerne mal Meinungen oder Erfahrungen von euch, wie man damit umgehen soll. Ich hoffe, ihr sagt mir, in zwei Jahren ist alles wieder gut. *unsure* Vielen Dank!
PS: Meine Tochter hat keine Geschwister.
11.09.2020, 15:42 Uhr | bke-Stephan-Bäcker
Hallo Fine06,

Und... diese Form der Hilfe und Unterstützung hier ist großartig. Danke an die Macher, dass es so was gibt!


Danke für diese schöne Rückmeldung! Empfehlen Sie uns gerne weiter *smiling*

Viele Grüße,

bke-Stephan-Bäcker
Zuletzt editiert am: 11.09.2020, 15:43 Uhr, von: bke-Stephan-Bäcker
10.09.2020, 20:33 Uhr | Ruba
Hallo Fine,
auch eine gute Schülerin kann die Schule hassen - und das Problem ist, dass wir als Eltern die Ursache oft nicht verstehen. Ich habe bei einem meiner Kinder erst Jahre später so einiges erfahren... Ich hatte Dir in meiner Antwort ja zu mehr Gelassenheit geraten. Dennoch solltest Du auf Dein Bauchgefühl hören. Nur Du kennst Dein Kind und Du siehst, ob es ihr gut geht. Veränderungen in der Gemütslage können einfach "nur" pubertäre Ursachen haben, aber es kann auch mehr dahinterstecken.
Wenn Du zB das Gefühl hast, dass sie durch schulischen Druck/Probleme mit den Mitschülern/pädagogisch schlecht aufgestellte Lehrer so unglücklich wird, dass sie in eine Depression rutscht, solltest Du ihr Alternativen aufzeigen. Sie muss wissen, dass es immer noch eine andere Option gibt. Ein Schulwechsel oder eine Auszeit ist kein Beinbruch. Es gibt viele Wege zum Abitur. Je nach Bundesland gibt es überall Schulen, die nur die Oberstufe anbieten und wo sich die Klassen dann komplett neu formieren. Das wirkt manchmal Wunder. Sie könnte zB ein FSJ machen (gibt es in sehr vielen Bereichen) und dann danach schulisch wieder durchstarten. Wichtig ist, dass sie das weiß. Die Verzweiflung beruht nämlich oft darauf, dass die Jugendlichen denken, sie müssten "da durch", es gäbe keinen anderen Weg. Nimm sie ernst, bleib mit ihr im Gespräch. Im übrigen ist hier die Einzelberatung oder die Sprechstunde auch noch mal ein guter Weg, sich Rat zu holen.
09.09.2020, 13:11 Uhr | Fine06
Hallo,

also ich muss sagen, es hat mir schon sehr geholfen, hier mal alles aufzuschreiben. Das öffnet doch wirklich den Blick auf das Problem und man kann gut reflektieren.

Im Moment möchte ich mich erst mal weiterhin auf das Beobachten beschränken und schauen, wie sich alles entwickelt. Beim Kinderarzt hatte ich mal angerufen und gefragt, ob ich dort mit meiner Problematik überhaupt richtig bin. Die Sprechstundenhilfe bat mir erst mal eine telefonische Beratung an. Ich denke, das wird die erste Option sein, die ich nutze, wenn ich der Meinung bin, es ist nötig.

Dem einen oder anderen mag meine Sorge etwas übertrieben vorkommen (was ich verstehen kann). Aber auch das war für mich ein wichtiges Signal.
Es ist halt so, wenn man in einer solchen Situation drin steckt, verliert man leicht mal die Gelassenheit und fragt sich, ist das jetzt noch normal? Kennt der ein oder andere von euch sicher auch.

An die Schule möchte ich mich nicht wenden. Möchte nicht, das mein Kind dann evtl. in eine Schublade gesteckt wird. Zumal meine Tochter auch signalisiert hat, dass sie zu Lehrern oder sonstigen schulischen Beratern kein Vertrauen hat. Sollte es mal erhebliche schulische Probleme geben, würde ich das natürlich auch in Erwägung ziehen.
Wir haben ja auch schon oft darüber geredet, warum sie sich teilweise so schlecht fühlt, kein Bock hat, unzufrieden ist usw. Sie kann es nicht benennen. Sie weiß, dass sie immer auf meine Unterstützung zählen kann und ich sagte ihr auch, dass es Möglichkeiten gibt, sich Unterstützung von außen zu holen.

Aber im Augenblick möchte ich wirklich erst mal nichts unternehmen, da ich das Gefühl habe, sie kriegt es schon hin. Und sie auch Daumen hoch

Ich glaube, ich muss vor allem auch selbst lernen, locker zu lassen und meiner Tochter zu vertrauen, auch wenn es mal schiefgeht.

Über weitere Meinungen und evtl. eigene Erfahrungen freue ich mich weiterhin sehr!

Und... diese Form der Hilfe und Unterstützung hier ist großartig. Danke an die Macher, dass es so was gibt!
08.09.2020, 21:00 Uhr | Schnitt-chen-frau
Hallo Fine06,

ich möchte Dich da noch mal beruhigen.

1. Sie hasst Schule so sehr, dass ich Angst habe, dass sie eines Tages wirklich nicht mehr hin will oder frühzeitig abbricht.

Über Gründe, warum Kinder die Schule hassen, gibt es jede Menge Abhandlungen, die alle auf verschiedenen Vermutungen basieren. Das sie plötzlich nicht mehr hin geht ist eher unwahrscheinlich, da hat Lorenz Bauer recht, das geschieht nicht von heute auf morgen und es gibt deutliche Vorzeichen wie schwänzen oder sie will morgens nicht mehr aus dem Bett.

2. Dass die melancholischen (depressiven?) Phasen überhand nehmen und nicht nur mit pubertären Stimmungsschwankungen zu erklären sind. Woran erkenne ich das?

Ich denke, so leicht erkennt man das (in der Pubertät) nicht. Ich hatte ja schon in einem vorherigen Beitrag gefragt, ob es einen Schulpsychologen oder Sozialarbeiter gibt? Wenn ja, würde ich mit dem mal einen Termin machen. Er kann dann mit den Lehrern sprechen und sich ein Bild machen. Ich denke aber, er kommt zu dem gleichen Bild, wie die Eltern , die hier schreiben. Mach Dir nicht allzuviele Sorgen, warte dieses Jahr mal ab und beobachte was passiert. Hast Du denn schon mal mit einem Arzt, am besten Kinder/Jugendarzt gesprochen, der sie kennt? Leider kann ich hier nicht lesen, was ich schon geschrieben habe, aber ich meine, danach auch schon gefragt zu haben, Gynäkologin!? Der Kinderarzt kann Dir da auch am besten die Fragen nach den melancholischen (depressiven?) Phasen beantworten, wenn er Deine Tochter sieht und untersucht hat.

Grüße
08.09.2020, 12:18 Uhr | bke-Lorenz-Bauer
Hallo Fine06,

ich habe eben noch enteckt, dass Sie geschrieben haben, eine kurze Anmerkung zu Ihrer Frage, ob Sie in dem Fall, Ihre Tochter würde ihre schulischen Aufgaben nicht mehr erledigen, diese einfordern oder alles laufen lasen sollten.
Sie schreiben selber, Ihre Tochter kümmere sich sehr gewissenhaft um die schulischen Angelegenheiten und wolle auch eine gute Schülerin sein. Zudem befürchten Sie auch nicht, dass sie plötzlich alles "schleifen lassen" könnte. Summasumarum spricht alles dagegen, oder? Falls dieser Fall eintreten sollte, meist geschieht das nicht von heute auf morgen, empfiehlt es sich, eine Zeit lang zu beobachten und eventuell interessiert nachzufragen. M. E. würde ein rigeroses Einfordern ihr bisheriges Engagement nicht ausreichend würdigen. Auch wenn sie mal etwas locker lässt, kann das auch okay und letztendlich auch eine (Überlebens-) Kompetenz sein. Wer sich immer anstrengt, muss auch mal locker lassen dürfen.

Aber wie gesagt, Sie selber schreiben ja, dafür gebe es keine Anzeichen und von daher erscheint es mir nicht notwendig, sich jetzt damit auseinaderzusetzen. "Gönnen" es Sie sich stattdessen, sich darüber zu freuen, dass sie bisher und auch aktuell alles gut managed. Und wenn, dann ist es dem Alter Ihrer Tochter angemessen, auf Augenhöhe mit ihr zu sprechen und im Kontakt mit ihr zu schauen, warum es im Moment so oder so läuft. Rigeroses Einfordern erscheint mir da eher kontraproduktiv.

Viele Grüße
bke-Lorenz Bauer
08.09.2020, 11:56 Uhr | Fine06
Ich habe noch eine Frage:


Wie soll ich mich verhalten, wenn evtl der Zeitpunkt kommt, an dem meine Tochter ihre schulischen Aufgaben nicht mehr oder kaum erledigt.
Wie gesagt, bisher ist das Problem nicht akut. Aber wenn: Soll ich es mal laufen lassen oder lieber einschreiten und fordern. Ich sehe bei ihr nicht die Gefahr, dass
sie die Klasse nicht schafft, darum mach ich mir keine ernsthaften Sorgen.
08.09.2020, 10:26 Uhr | Fine06
Guten Morgen zusammen,

vielen Dank, dass sich hier so viele um "mein Problem" Gedanken machen und gute Tipps und Anregungen geben.

Ich habe eine Weile nicht geschrieben, weil ich viel nachgedacht habe, was denn gerade falsch läuft, evtl. auch bei mir selbst.

Es sind genau zwei konkrete Sorgen, die bei mir aus dem Verhalten meiner Tochter entstehen:

1. Sie hasst Schule so sehr, dass ich Angst habe, dass sie eines Tages wirklich nicht mehr hin will oder frühzeitig abbricht.

2. Dass die melancholischen (depressiven?) Phasen überhand nehmen und nicht nur mit pubertären Stimmungsschwankungen zu erklären sind. Woran erkenne ich das?

Liebe Ruba, du hast mit vielem was du schreibst sehr Recht! Danke für deinen Beitrag, der mir Mut macht!
Meistens sehe ich das auch so, wie du es schreibst, aber dann kommt wieder eine Phase, in der ich mir keinen Rat
weiß und es mich so runterzieht, dass sie so traurig und unsicher ist, dass ich denke, so kann es nicht weitergehen.

In letzter Zeit habe ich ein wenig hier und da in Büchern und im Internet gelesen, wie man bzw. frau (Mutter) damit am besten umgeht, wenn das Kind solche uns merkwürdig erscheinenden Verhaltensweisen zeigt. Naja, ich dachte mir schon, dass es so ist: Man muss es wohl aushalten und versuchen zu überleben *wuuuaaahhhh* .

Gegenwärtig läuft es wieder etwas besser, sie ist wieder etwas besser drauf, lacht auch mal über einen Scherz, den ich mache und ist insgesamt etwas positiver gestimmt.
Schulsachen erledigt sie sowieso immer, allerdings derzeit nicht mehr mit der nötigen Gründlichkeit, wie ich finde. Hauptsache fertig! Okay, das kann ich gut aushalten. Sie muss nicht immer 100% geben.

Ich versuche ihr immer das Gefühl zu geben, dass sie toll ist und sie geliebt und gemocht wird. Egal was sie tut oder nicht tut.
Aber manchmal muss man doch auch Kritik üben (dürfen), oder lieber gar nicht in solch einer Situation?

Zum Thema mündliche Mitarbeit in der Schule: Es ist mir schon klar, was im Berufsleben erwartet wird, bin selbst so lange schon berufstätig und weiß, dass man fast überall kommunizieren muss und sich leider auch vor allem auch verbal "verkaufen" muss. Daher kann ich die Anforderungen der Schule und Lehrer schon nachvollziehen. Oftmals wollen die Kinder das ja selbst gerne ändern (meine jedenfalls), wissen aber nicht wie! Leider geben Lehrer hier keinerlei Unterstützung oder Hilfestellung. Außer bei der Notengebung: Du meldest dich zu wenig. Schade! Mehr kommt da nicht.
Aber das ist nicht das eigentliche Problem, es führt nur leider zu noch mehr Frustration bei solchen Kindern, so dass man sich nicht wundern muss, wenn sie keine Lust auf Schule haben. Fleiß und Disziplin zählen eigentlich gar nichts bei 90% der Lehrer. Da kommt dann schnell, ich brauch eh nicht lernen, das interessiert doch keinen. Und mit der alten Weisheit, du lernst für´s Leben, brauch ich einem Teenager nicht zu kommen. *laughing*

Auch das müssen wir wohl hinnehmen und versuchen irgendwie durchzukommen.

Viele Grüße,

Fine
01.09.2020, 08:33 Uhr | Ruba
Liebe Fine,
wir Eltern möchten, dass es unseren Kindern gut geht. Sie sollen in der Schule gut sein, Hobbies haben, Freunde. Und es ist schwer auszuhalten, wenn es an irgendeiner Stelle hakt.
Du schreibst von Deiner Tochter als einer guten und beliebten Schülerin, die Gitarre spielt und von sich aus Interesse an der englischen Sprache hat.
Und als ich die Beschreibung las, dachte ich zuerst einmal: Was will diese Mutter denn, ist doch alles paletti.
Aber Du machst Dir Sorgen weil Deine Tochter so introvertiert ist, wenig rausgeht, sich nachmittags mit niemandem trifft, oft weint und Du ihr helfen möchtest.
Deine Tochter ist in der Pubertät. Sie ist Dein einziges Kind und insofern hast Du keinen Vergleich.
Pubertät ist für viele junge Menschen eine Zeit der Selbstfindung, in der sie sich in ihr Schneckenhaus einigeln. Und das Schlimme dabei ist: Du kannst ihr nicht helfen. Da muss sie ganz alleine durch. Du kannst ihr zeigen, dass Du für sie da bist, sie unterstützt, sie so annimmst, wie sie ist. Und Du kannst beobachten und eventuell eingreifen, wenn Du das Gefühl hast, es könnte in eine Depression abdriften. Aber für mich klingt es nicht so. Gerade wenn sie schon immer eher zurückhaltend war, wirst Du keine Partyqueen aus ihr machen. Viele Mütter hier würden Dich um Dein häusliches Kind beneiden und sich eine Tochter wünschen, die brav in ihrem Zimmer Gitarre spielt und englische Filme schaut statt sich irgendwo herumzutreiben.
Die Selbstzweifel sind für die Pubertätsphase normal. Gib ihr nicht noch mehr das Gefühl, sie sei in irgendeiner Form nicht in Ordnung (und das würdest Du m.E. dadurch bewirken wenn Du sie bspw. zu einem Psychologen schleppst). Hol Dir selber Beratung, aber symbolisiere ihr immer wieder, dass sie ein ganz tolles Mädchen ist.
Es ist für uns Eltern manchmal eine schlimme Zeit, aber sie geht vorbei.
LG
30.08.2020, 11:00 Uhr | bke-Stephan-Bäcker
Hallo Fine06,

sie haben geschrieben, dass eine Beratung von Außen "eine Option" sei. Haben Sie darüber weiter nachgedacht? Auf unserer Seite ist auch ein Beratungsstellenfinder, vielleicht könnte das ja helfen.

Viele Grüße,

bke-Stephan-Bäcker
27.08.2020, 21:31 Uhr | Schnitt-chen-frau
Mir fiel gerade noch ein, das es auch Rhetorik Kurse für Jugendliche über die VHS gibt. Frag da mal nach.
27.08.2020, 16:22 Uhr | marinadiezweite
Hallo Fine06, man kann natürlich weder einen Jugendlichen ändern. Noch kann man die Sichtweise der Lehrer großartig ändern. Man kann aber mündliche Noten nicht problemlos durch Hausarbeit Hausaufgaben ersetzen. Du hast das Beispiel Englisch erwähnt. Englisch ist wie Deutsch eine gesprochene Sprache. Es reicht nicht, da treu und fleissig alles richtig zu schreiben und niemals zu sprechen.
Selbst wenn sie später nichts mit Englisch machen will, sollte deine Tochter das mal ausprobieren. Da würde ich persönlich dieses extrem schüchterne nicht einfach so anerkennen, dass es halt so ist. Sicher steckt da noch mehr hinter, die anderen lachen, die Lehrer lachen. Keine Ahnung, was es noch ist. Aber es gibt doch sicher Situationen, in denen deine Tochter Englisch mal üben kann. Zu Hause was vorlesen lassen oder CDs mit Englisch hören und nachsprechen. Das wäre ein Beispiel. Ich selbst hab mal Leseförderung an einer Schule gemacht. Da waren Schüler dabei, die sich aus 1001 Gründen nicht trauten, was laut vorzulesen. Wenn man eine entspannte Situation hatte, ging aber alles super. Vorbereitete Texte, es wird nicht gelacht... Wenn man sich erstmal überwunden hat, dann kann das richtig Spass machen.
Ich habe das Gefühl, die Chance, was auszuprobieren, kommt später nie wieder so locker. In der Berufsschule wird bei weitem nicht so gnädig mit den Schülern umgegangen.
Man kann auch fragen, ob man einen kleinen Text oder sowas vorbereiten kann und dann vorlesen. In manchen Fächern ist das mündliche stark gewichtet und kann durch nichts ersetzt werden. Lehrer haben da einfach die Aufgabe, nachzufragen, ob jemand was weiß. Sie sollen nicht immer nur warten, bis sich jemand meldet. Aber wer sich nie meldet, kommt in die Situation, dass der Lehrer mal hören will, ob überhaupt der Schüler mitdenkt, mitarbeitet.
Mein Sohn hat sich während der Abiturphase bei einer Computerfirma beworben. Er wollte programmieren lernen und Informatiker werden. Na, was die alles voraussetzten, das war schon haarsträubend. Dazu aber die Ausbildungsvergütung mau. Und die Rechtschreibfehler auf der Homepace dieser Firma brachten einen Deutschfuchs wie meinen Sohn echt zum Lachen. Er hat sich da trotzdem beworben und man kann auch schreiben oder sagen, diese und diese Fähigkeiten werde ich mir noch aneignen. Das ist nichts falsches gesagt. Die meisten Firmen haben gar nicht 100 Bewerber sondern nur einige wenige. Und ich glaube, man kann immer mit bestimmten Stärken punkten, kein Bewerber passt zu einhundert %. Was aber viel wichtiger ist, das ist das Interesse eines Jugendlichen an der Ausbildung. Wie schon geschrieben, wortkarg und dann Sparkassenberater macht sich nicht gut zusammen.
26.08.2020, 12:35 Uhr | Schnitt-chen-frau
Hallo Fine06,

na ja, niemand weis, was das Schuljahr dieses Jahr noch so mit sich bringt. Ist ja auch in jedem Bundesland anders, in BW kann man sowiet ich gehört habe, die Kinder nach den Sommerferien formlos vom Unterricht abmelden, wenn die Eltern die Möglichkeit dazu haben, sie zuhause zu betreuen. Sie müssen aber verpflichtend am Online-Unterricht teilnehmen, der dokumentiert und benotet wird.

Im Grunde ist das ganze Leben eine Schule, denn danach kommt entweder eine Ausbildung oder ein Studium, daher ist es wichtig, schon jetzt genauer hinzuschauen. Ein schüchtener, nicht redegewandter Schüler, wird es später im Berufsleben mit Kundenverkehr schwer haben. Vielleicht ist ja gerade diese negativ Kritik eine Form der Pädagogik, die keiner versteht, die vielleicht anspornen soll!? Aber auch im Berufsleben gibt es seltenst Lob, letzendlich nur ein Ranking unter Kollegen, wer wohl der nächste Mitarbeiter des Monats ist, an dem sich alle anderen ein Beispiel nehmen sollen. Mittlerweile findet ein Umdenken statt, aber in den letzten 15 jahren war es doch nicht anders. Das immer weniger Jugendliche eine Ausbildung machen wollen, hängt doch letztendlich mit einer mangelnden Wertschätzung zusammen.

Meine Tochter hat nach Ausbildungstellen geschaut, da haben sie verlangt, entweder Cambridge-Certificate oder den Nachweis eines Kurses in Business-English. Abitur alleine reicht schon nicht mehr, außerdem soll sie Office beherrschen ...und was lernt sie dann da? Die Schulen kommen ihrer Verpflichtung, die Schüler Fit fürs Berufsleben zu machen, längst nicht mehr nach. Die Technik ist veraltet, es fehlt am Internet und die Lehrer sind selbst nicht motiviert genug, da jetzt einzusteigen. Jeder Besenvertreter hat ein Diensthandy und Laptop und diese hochbezahlten Beamten ...

Gibt es an der Schule einen psychologischen Dienst?

Grüße
26.08.2020, 11:34 Uhr | Fine06
Hallo Schnitt-chen-frau,

danke für deine Sichtweise und Anregungen.

Das was du über die Lehrer sagst, stimmt wohl für die meisten. Sie sind ausgelastet mit Stoffvermittlung, für Persönliches oder andere Probleme bleibt da kein Raum.
Und Motivation, da sagst du was. Kennen Lehrer dieses Wort überhaupt? Ich habe das Gefühl, sie verteilen nur mit Negativ-Kritik mit der Gießkanne.

Mit Mitschülern hat sie kein Problem, das wäre etwas , was sie mir erzählt und ich bin auch mit anderen Familien recht gut connectet, wenn da was wäre, würde ich das längst wissen.

Überfordert mit der Schulform ist sie nicht, sie hat ja keine schlechte Noten, das Schriftliche passt schon immer. An einer anderen Schulform würde sie sich ja nicht anders verhalten. Gar keine Schule...das wäre was *laughing* (-:

Kosmetika spielen keine große Rolle, ein bisschen Puder mal. Der Umgang mit ihrem Äußeren ist altersgemäß, nicht ganz zufrieden (wie die meisten ) aber auch nicht unglücklich damit. Passt schon.

Aber eine Beratung von Außenstehenden wäre sicher keine schlechte Option.
26.08.2020, 09:54 Uhr | Schnitt-chen-frau
Hallo Fine06,

ich würde bei der Ursachenforschung vielleicht etwas tiefer einsteigen.
Vielleicht ein Gespräch mit dem Hausarzt führen und mögliche Anzeichen einer Depression ansprechen! Beratungsstelle, psychologische Begleitung, die zu mehr Selbstbewustsein führt, so in die Richtung. Schulpsychologischer Dienst? Vielleicht auch mal ein Gespräch mit einer Gynäkologin suchen, die auf Jugendliche spezialisiert ist!? Es gibt spezielle Sprechstunden, wo die sich dann mehr Zeit nehmen. Manchmal sind das pubertäre Probleme, wo keine Mutter hinterkommt!

Meine Tochter , jetzt 17, stand in dem Alter mal vor dem Spiegel und meinte, warum denn alle sagen würden, das sie Sch**** aussehen würde und schnell kam heraus, das die sich nur noch gegeneitig angemacht haben. Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste an der Schule . Dieser Wettbewerb kann ganz schön zermürbend sein und wer geht schon gerne dahin, wo er angemacht wird. Was weisst Du wirklich darüber, was an der Schule passiert? Gab es mal Ansätze, wo sie verstärkt Kosmetika gekauft oder sich für Veränderung am Aussehen interessiert hat.

Aus meiner Erfahrung heraus bringen Gespräche mit den Lehrern nichts. Die haben aktuell ganz andere Probleme ... Das System ist nicht darauf ausgerichtet, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen und Motivation oder andere zu motivieren, haben die nie gelernt. Das hat meine Tochter immer wieder erzählt ... Aus meiner Sicht war gerade die 8-9 Klasse sehr schwierig, Mobbing, wenig Wertschätzung, ablassen von Frust an schwächeren ... überforderte Lehrer, bei denen des öfteren die Sprachhygiene gelitten hat. Am Ende heisst es dann, das Kind sei mit dieser Schulform überfordert und sie wird abgestuft, damit ist das Problem für die Lehrer gelöst!

Grüße
26.08.2020, 09:05 Uhr | Fine06
PS: Die Phase des Homeschoolings war natürlich Wasser auf ihre Mühlen und sie fragt sich jetzt, wieso sie in die Schule muss, da sie ja auch von zu Hause lernen kann, ganz ohne Stress....Das hat auch alles super geklappt bei ihr. Wobei ich ihr natürlich auch mal geholfen habe, Themen zu verstehen.

Treffer: 21

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