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26.05.2021, 10:45 Uhr | morfus04
Um etwas Ordnung in mein Gedankenkarussel zu bringen, bitte ich um Ideen, Anregungen etc.

Meine Tochter ist 14 Jahre und war noch nie „pflegeleicht“. Von klein an vermied sie körperliche Nähe, wollte immer alles alleine machen und bestimmen. Eine geringe Impulskontrolle und Frustrationstoleranz führten innerhalb der Familie immer wieder zu Ärger, während sie sich in Kindergarten und Schule gut anpassen konnte.
Nachdem sie sich bei Wutanfällen selbst verletzte, haben wir auf Anraten der Erziehungsberatungsstelle eine Diagnostik beim Kinder- und Jugendpsychiater begonnen (damals war sie 5,5 Jahre). Ergebnis: alles ok, sie sei wohl ein starker Charakter…

In den Folgejahren haben wir uns damit arrangiert, dass unsere Tochter eben so ist wie sie ist. Sie hatte in der Grundschule eine enge Freundin, was die Situation insgesamt erleichterte auch wenn sie uns weiterhin sehr distanziert und verschlossen vorkam.
Mit Beginn der Pubertät begannen dann die größeren Probleme. Aus eigenem Antrieb suchte sie die Gesellschaft von uns Eltern und Geschwistern überhaupt nicht mehr. Selbst ein gemeinsames Essen war ihr zuviel, sie wurde schnell ablehnend bis beleidigend, konnte sich nicht „normal“ an Gesprächen beteilgen.

Anfang dieses Jahres (sie war gerade 14 geworden) haben wir bemerkt, dass sie nachts regelmäßig abhaute (ihr Zimmer ist im Wohnkeller mit separater Eingangstür). Auf den erfolgten Hausarrest reagierte sie mit Ausbruchsversuchen. Ich hatte Angst, sie könnte drogensüchtig sein. Schließlich stellte sich heraus, dass sie regelmäßig Cannabis konsumiert hatte, aber gerade aufhören wollte. Nach und nach erfuhr ich, dass sie auch etliche andere Drogen bis hin zu Kokain probiert hat, die „ihr aber nichts gebracht haben“. Ihre Risikobereitschaft ist sehr ausgeprägt, Angst scheint sie nicht zu kennen.

Vor vier Wochen erhielt ich am Arbeitsplatz einen Anruf der Polizei, die gerade dabei war, ihr Zimmer zu durchsuchen. Ihr wurde vorgeworfen, zusammen mit drei Jungs ca. 15 Fahrzeuge beschädigt zu haben. Sie beteuert, nur „passiv“ dabei gewesen zu sein. Ein Strafrechtsverfahren läuft.

Regeln/Absprachen bricht sie immer wieder. Als Begründung hören wir immer: „Ich hatte einfach die Gelegenheit“ oder „Ich habe nicht darüber nachgedacht“.
Ein Schuldbewusstsein ist ihr nicht anzumerken. Sie stören zwar die negativen Folgen (weniger Freiheiten, Nebenjob, um Schaden zu bezahlen etc.), aber von Reue oder Einsicht ist wenig zu spüren. Verbal geäußert hat sie nichts in der Richtung.

Im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten der letzten Zeit ist mir einmal mehr aufgefallen, dass sie kaum Emotionen zeigt und selbst in Extremsituationen nicht in der Lage ist, eigene oder fremde Gefühle wahrzunehmen. Sie wirkt richtiggehend empathielos. Das ist wohl auch der Grund, warum sich in letzter Zeit alle Freundinnen zurückgezogen haben. Aktuell hat sie nur mit Jungs Kontakt. Jedes Gespräch über ihr Befinden blockt sie komplett ab.
Während wir Eltern das Gefühl haben, gar nicht an sie heranzukommen, bezeichnet sie die Beziehung zu uns als gut. Dass sie mit ihrem ablehnenden, verständnislosen Verhalten ständig ihre Umgebung vor den Kopf stösst, scheint ihr entweder nicht bewusst oder komplett egal zu sein.

Provokativ gefragt: könnte eine ADHS, Autismus-Spektrum-Störung o.ä. dahinterstecken oder ist sie vielleicht doch nur „schlecht erzogen“ bzw. nur so richtig pubertär? (Wir werden dies in jedem Fall fachärztlich abklären, aber mich interessieren einfach die Erfahrungen/Ideen anderer Eltern.)
29.05.2021, 18:26 Uhr | Louise-19
Hallo Morfus,
ich würde als erstes der Tochter ganz langsam erklären, was sie falsch gemacht hat.
Sie hat ja auch "nichts" gemacht. Wieso ist das falsch? Wieso wird sie dafür bestraft?

Was soll sie in Zukunft stattdessen machen???
(Bist mit Deinen Kumpeln unterwegs, die kommen auf dumme Ideen,
was machst Du dann???)
Mir wird gerade klar, daß das wirklich für sie besonders schwierig ist.
Sie ist froh, daß sie überhaupt Freunde hat, nicht wahr.
Gruß,
L-19
Zuletzt editiert am: 29.05.2021, 19:09 Uhr, von: Louise-19
27.05.2021, 17:51 Uhr | Ruba
Hallo morfus,
ich fürchte Du wirst in diesem Forum keine abschließenden Antworten erhalten. Zum einen sind hier leider seit einigen Jahren kaum noch User unterwegs, zum anderen klingt mir Dein Fall aber zu kompliziert, um von Laien eine Einschätzung zu erhalten.
Du hattest schon von Anfang an das Gefühl, Deine Tochter sei irgendwie "anders". Ich denke, das solltest Du ernst nehmen. Gerade das mangelnde Bedürfnis nach Körperkontakt und die von Dir beobachtete fehlende Empathie könnten für eine Störung aus dem weiten Feld des Autismus hindeuten.
Darüber hinaus ist das von Dir geschilderte Verhalten eines jungen Mädchen m.E. nicht mehr "normal" (wobei sich natürlich die Frage stellt, was Normalität bedeutet). Aber wie gesagt - eine Ferndiagnose ist in meinen Augen unmöglich.
Fakt ist, dass sich junge Menschen in der Pubertät manchmal extrem verändern und Verhaltensweisen an den Tag legen, die wir als Eltern überhaupt nicht mehr nachvollziehen können.
Wichtig ist es nur den Kontakt nicht zu verlieren, weiter als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen - auch wenn wir nicht alles toll finden, was da abgeht.
Ich wünsche Dir viel Kraft in der nächsten Zeit. Vielleicht hältst Du uns ja auf dem Laufenden, was die Diagnostik ergeben hat.
26.05.2021, 18:06 Uhr | bke-Fiona-Mira
Hallo morfus04,

Ihnen wünsche ich ein herzliches Willkommen und einen guten Austausch mit den anderen hier.

Ihre Frage ist wie andere Eltern das Verhalten Ihrer Tochter einordnen würden.

Beim Lesen Ihrer Beschreibung habe ich mir gedacht, dass Einiges was Sie beschreiben je nach Blickwinkel unterschiedlich eingeordnet werden kann und dass es gut ist, wenn Sie zu einem Fachmann vor Ort gehen.

Pubertierende gehen öfter über Grenzen hinweg, probieren aus, verstehen andere nicht weil ihr Gehirn in einem "Generalumbau" steckt, was bewirkt, dass nur sehr hohe Reize ankommen; andererseits könnte auch etwas anderes dahinterstecken.
In diesem Alter wechseln Jugendliche manchmal ihre Freunde, machen mit bei Unternehmungen, um in der Gruppe dabei zu sein, und geraten dann vielleicht mit dem Gericht in Berührung.

Solche Verhaltensweisen können auch bei Autismus, Adhs und Wahrnehmungsstörungen auftreten , aber, wie gesagt, sollten Sie sich vor Ort Unterstützung holen, damit eine gute Diagnose gemacht werden kann.

Was sich gut anhört ist, dass sich Ihre Tochter selber gut bei Ihnen fühlt, und dass Sie sie so mit einem liebenden und wachenden Augen betrachten : )

Liebe Grüße, bke-fiona-mira

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