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07.06.2020, 19:27 Uhr | bke-Hana
Liebe Jugendliche, liebe Eltern

vor Kurzem lag ich krank auf dem Sofa und habe mir zur Ablenkung die eine oder andere "Schnulze" im Fernsehen angeschaut. Schön eigentlich aber bei manchen Szenen war ich plötzlich irritiert. Ich hatte zwischendurch Gedankenblitze wie: „Fehler!“ oder auch „Stopp, das geht nicht...!“ Das passierte mir bei denjenigen Situationen, in denen sich die Protagonist*innen körperlich recht nahe kamen - sei es durch herzliche Umarmungen, durch Begrüßungen durch Handschlag oder auch einfach nur durch enges beieinander Stehen das ich zu sehen bekam. „Ach ja“, dachte ich dann schnell als nächstes, „ist ja nur ein Film ganz ohne Corona“.

Vor Corona war das, was mich in den Filmen halbe Sekunden lang irritierte für die meisten von uns ganz selbstverständlicher Alltag - sich körperlich nahe zu kommen. Doch von einem Tag auf den anderen mussten wir, zumindest außerhalb des engsten und zusammen lebenden Familienkreises, darauf verzichten, um andere und uns selbst zu schützen.

Zum Glück hat sich die Corona-Lage etwas entspannt und es sind mittlerweile zumindest wieder mehr Begegnungen auch außerhalb der eigenen Haushaltsgemeinschaft möglich. Nach wie vor sind wir aber aus guten Gründen dazu angehalten, bei persönlichen Kontakten die Abstandsregelungen einzuhalten – Eine Umarmung mit Freund*innen, ein Hand reichen unter Bekannten.... alle das liegt noch längst nicht wieder im Bereich des ganz normalen Lebens.

Dabei sind Körperkontakte und Berührungen ein menschliches Grundbedürfnis und die meisten Menschen verbinden damit ein Gefühl von Nähe, Wärme, Verbundenheit sowie Schutz und Trost. Wie wohltuend z.B. eine Umarmung sein kann, lässt sich auch biologisch nachweisen. Durch angenehme Berührungen erfolgt in unserem Gehirn die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin - umgangssprachlich auch „Kuschel-Hormon“ genannt. Ein wahres Wundermittelchen, das Stresshormone reduziert und in uns ein Entspannungs- und Wohlgefühl auslöst.

Und so ist es wohl nicht verwunderlich, dass ich in der letzten Zeit von so vielen Leuten mit denen ich gesprochen habe erfuhr, wie sehr ihnen die kleinen und großen Berührungen derzeit fehlen. Und ich kann nicht verhehlen, dass es mir persönlich ebenfalls schwer fällt, darauf zu verzichten.

Wie geht es euch und wie geht es Ihnen grade damit, „enthaltsam“ sein zu müssen. Empfindet ihr und Sie es überhaupt als einschneidend - oder ist das gar kein Bereich, den ihr/Sie als einschränkend empfinden? Wenn aber doch, wie geht ihr/Sie damit um? Wo und an welchen Stellen erlebt ihr vielleicht statt dessen Gefühle der Verbundenheit oder fühlt euch berührt?

Von mir heute interessierte und zum Austausch anregende Grüße und für alle die mögen eine dicke virtuelle Umarmung,
bke-Hana Blum
09.06.2020, 20:55 Uhr | bke-Hana
Liebe Userinnen und User, liebe Jugendlichen und liebe Eltern,

einige von euch Jugendlichen haben in den letzten Tagen ihr eigenes Erleben zu meiner Frage gepostet. Lieben Dank für eure bisherigen Reaktionen. Zusammengefasst bringt ihr zum Ausdruck, was derzeit so viele empfinden: Körperkontakte fehlen einfach und manchmal kommt ein Gefühl von Wehmut auf wenn man sich erinnert, wie selbstverständlich (und wohltuend) diese noch vor Kurzem waren.

Zugleich ist es schon fast komisch sich vorzustellen, dass z.B. Umarmungen unter Freund*innen irgendwann wieder gehen. Wir Menschen sind Anpassungskünster*innen und haben uns in den letzten drei Monaten an so manche gravierende Veränderung gewöhnt. Nun ja, mehr oder weniger eben. Aber anscheinend doch so sehr, dass sogar eine "ganz normale" filmische Szene so manchem wie ein fremder Planet erscheinen kann und der Eindruck für einen Moment zusammen zucken lässt. Doch die meisten sehnen sich wohl auch nach dem alt Gewohnten - und dazu gehören eben auch unsere Umarmungen. Zur Begrüßung oder einfach nur so.

Aber nicht nur körperliche Berührungen habt ihr angesprochen sondern auch insgesamt Situation von nicht möglichen Kontakten. Bei Erkrankungen, die einen besonderen Schutz erfordern, ist es jetzt kaum möglich, überhaupt jemandem zu begegnen - da wäre es schon toll überhaupt mal jemanden sehen zu können. Und es erscheint mir absolut hart auf persönliche Kontakte ganz und gar verzichten zu müssen.

Wenn ich an Begrüßungsmomente denke, fallen mir viele Alltagssituationen ein, die heute so anders gestaltet sind als sonst. Egal wo und in welcher Lebenslage wir uns außerhalb des engsten familiären Kreises oder der eigenen Haushaltsgemeinschaft befinden - etwas anderes muss(te) her.

Eine Alternative ist vielleicht ein tiefer und etwas längerer Blick in die Augen- der kann übrigens laut Wissenschaft ebenfalls Wohlgefühl auslösen. Na ja, 20-30 Sekunden braucht unser Gehirn schon dafür, so heißt es. Das "Ellenbogenkicken" statt Handschlag machen ja auch einige - meist mit einem etwas verschmitzten Lächeln wie ich beobachtet habe - aber vielleicht etabliert sich das ja? Oder, wenn man sich fremd oder einem das lieber ist - "nur" ein Hallo oder Guten Tag ohne jeden Schnickschnack. Ich selbst bin (also war) ein Fan vom Hände reichen, habe aber schon so manche Stimme gehört, die nicht traurig darüber ist, dass der Handschlag nun wegfällt und dem/der es ganz lieb wäre sich auch zukünftig ohne dieses bekannte Ritual ausschließlich verbal und mit einem netten Blick zu begrüßen.

Welche körperlichen Begrüßungsrituale pflegt ihr und pflegen Sie in dieser fast schon nicht mehr Ausnahmesituation statt des Üblichen? Wie seht ihr und Sie das und wie gestaltet ihr und Sie die Begegnungen mit mit denjenigen, die ihr nicht gut kennt und auch mit vertrauten Freund*innen? Ich frage mich auch, welche neuen Rituale (oder gibt es sie schon?) unsere Gesellschaft entwickeln könnte, wenn wir noch eine ganze Weile auf das verzichten müssten, was uns so lieb war? Möglicherweise unterscheiden sich da auch die Vorstellungen von jung und etwas älter und können sich gegenseitig bereichern.

Weiterhin sehr interessiert grüßt,
bke-Hana Blum
Zuletzt editiert am: 09.06.2020, 20:59 Uhr, von: bke-Hana
08.06.2020, 22:26 Uhr | emotionskuenstlerin
Ich persönlich vermisse meine Umarmungen von Freunden schon. Wir haben uns zwar getroffen, aber es gab keine Umarmung zur Begrüßung oder zum Abschied. Das ist schade. Aber es ist auch wichtig, sich daran zu halten.
Je nachdem wie schlecht es einem geht, kann das denke ich ziemlich belastend werden, nicht einfach so einen Besuch zu bekommen. Oder nicht einfach so mal eine tröstende Umarmung, die man sich vielleicht wünscht.

Ich muss sagen, dass ich mich langsam daran gewöhnt habe, ohne Umarmungen zu leben, aber wenn sich die Situation weiterhin verbessern wird, kann ich es nicht mehr abwarten, endlich wieder meine engsten Freunde zu umarmen. Das tut einfach gut.
wer wenn nicht wir?
08.06.2020, 15:25 Uhr | Kampfsocke
Ich wäre froh darüber, wenn ich mal irgendjemand wieder sehen darf der mich besuchen kommen kann. Ich durfte seit Wochen jetzt keinen Besuch erhalten. Fühle mich wie eingesperrt und nicht gebraucht. Bin einsam und traurig. Das fehlt mir erstmal, - Besuch - da geht es mir nicht mal um eine Umarmung, nur um jemanden sehen zu können, etwas vertrautes. Na egal.
Zuletzt editiert am: 08.06.2020, 15:26 Uhr, von: Kampfsocke
Wer nur in Socken geht, dem kann man nichts in die Schuhe schieben.
07.06.2020, 22:37 Uhr | JM18
Hallo !
Das ist mir auch schon aufgefallen. Man achtet da jetzt viel mehr drauf auf Abstand zu sein. Natürlich vergesse ich es Ab und zu aber so Dinge wie umarmen oder die Hand geben fehlen schon. Aber ich persönlich finde es aktuell komisch mir das vorzustellen,dass es irgendwann wieder geht. Mir fehlen die Umarmungen sehr auch wenn ich nicht oft in den arm genommen werde. Lediglich bei den Kind was ich in in der Schule betreue ist es "okay",weil er kein Abstand halten kann. Das tröstet mich ein bisschen und ich vergesse nicht ganz wie es ist umarmt zu werden. Aber es ist wirklich so Worte können den kurzen Körper Kontakt nicht ersetzen.
07.06.2020, 21:35 Uhr | Einhorn--
Hallo.

Das was du beschreibst, ist mir auch bei mir selbst aufgefallen. In Filmen zu sehen wie nahe sich die Menschen kommen, oder einkaufen ohne Mundschutz usw. Das wirkt so wie von einem anderen Planeten oder so.
Wenn ich in Filmen sehe wie sich Menschen umarmen, werde ich ein wenig wehmütig. Ich kann in letzter Zeit sehr oft einen Menschen gebrauchen, der mich in den arm nimmt und erstmal nicht mehr loslässt oder einfach neben mir sitzt um die nähe zu spüren.
Ich muss zugeben ein paar kleine Umarmungen habe ich bekommen, aber es ist nicht dasselbe...
Mir fehlt das sehr... klar kann ich meine Hündin kuscheln, das ist ja zum Glück erlaubt *hypocritically* aber trotzdem...
Ich schätze derzeit so kleine Treffen, auch mit Abstand eine Person zu sehen. Oder auch als die Schule wieder anfing wenn man die Person hinter der Maske lächeln gesehen hat. Und auch jetzt bei der Arbeit mit Kindern, wir können ja zum Glück ohne Maske arbeiten und die Kinder dürfen im gruppenzimmer auch ohne Maske mit uns spielen. Einfavh ein paar Sozialkontakte. Am Freitag durfte ich sogar zusammen mit einem Kind Trampolin springen, haben uns an den Händen gehalten. Das war irgendwie schön.
Ich finde es jedoch schwierig, weil man ja diese Berührungen nicht durch Worte ersetzten kann, da fehlt einfach was.

Alles liebe
Einhorn
~denn für starke Menschen werden schwierige Wege bestimmt~

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