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31.08.2020, 10:40 Uhr | Sany2018
Hallo Papa,
ich sitze hier und schreibe einen Brief, einen Brief an dich, du sitzt nur ein Zimmer weiter und ich könnte auch mit dir sprechen, aber das kann und möchte ich in diesem Zusammenhang nicht, weil du mich ohnehin nicht verstehen wirst, weil du mich anbrüllen und verurteilen wirst, so, wie du es ständig machst, und, weil ich nicht weiß, ob du dir dessen bewusst bist, was du, insbesondere mir, in den letzten Jahren angetan hast, ich möchte dich nicht schockieren, nicht verletzen, ich möchte diese Gedanken aber aus meinem Kopf und meinem Herzen heraus hier aufschreiben und hoffentlich auch ein Stück weit hier lassen können. Das alles sitzt sehr tief, deshalb wird letzteres vermutlich schwierig werden so auf Knopfdruck, aber vielleicht klappt es wenigstens ein bisschen, wenn ich fest daran glaube *sad*

Also [...]. Papa?! Früher warst du der Liebste Mensch auf Erden, du hast gegönnt, du hast bedingungslos geliebt, du hast alles für deine Familie getan, du hast dich für uns, ohne wenn und aber, geopfert, du hast uns den Rücken gestärkt und dich mit uns gerühmt, weil wir dein ganzer Stolz waren, du hast uns Kuscheltiere von unterwegs mitgebracht und konntest nicht genug davon bekommen uns glücklich zu sehen, uns, deine Familie, dein ein und alles [...]. Heute bist du unglücklich, du hast keine Arbeit mehr, du fühlst dich vielleicht minderwertig deshalb, was du keinesfalls bist, du bist geizig geworden, du gönnst nichts und niemandem mehr etwas und deine Familie empfindest du als Last, wie oft hast du uns gesagt, dass wir dir zu viel kosten, dass die Kosten es nicht wert sind, weil wir es nicht mehr wert sind für dich. Du sitzt da und strahlst so eine Kälte aus. Nichts macht dich mehr stolz, alles stört dich und du unterhältst dich lieber mit Passanten und Fremden über üble Dinge, als deiner Familie am Abend zuzuhören oder sich für uns zu interessieren. So, so oft, nahezu täglich rastest du aus, du sagst so gemeine Sachen, die immer noch nachhallen, du bist so unsagbar gemein und verletzend geworden und schaffst es immer wieder, dass es eskaliert und niemand mehr mit dir in einem Raum sein will, manchmal habe ich Angst, dass du uns was tust, weil du so sauer wirst, dass ich absolut nichts mehr von meinem Papa erkennen kann, der Papa der auch mich mal geliebt hat. Weißt du, wie weh das tut, wenn man das Gefühl gespiegelt bekommt, dass man nicht mehr geliebt und nicht gewollt ist? Warum schiebst du mich so ab? Was habe ich dir getan? Warum liebst du mich nicht mehr? Warum sprichst du nicht mehr mit mir? Warum vergisst du mich, beispielsweise, indem du nur für drei anstatt für vier Personen den Tisch deckst oder nur für eines deiner Kinder das Mittagessen nach Hause bringst? Ich weiß, dass ich, in dem Sinne, nicht geplant war, aber du hast mich doch früher auch lieben können, warum kannst du es jetzt nicht mehr? Ich merke, dass du mich nicht mehr magst, weil du mir keine Nähe mehr gibst, weil ich, als Einzige, kein Guten Morgen mehr bekomme, weil es dir egal ist, ob ich da bin oder nicht!? Wo ist mein Papa? Der Mensch, den ich vor mich sehe, ist nicht mein Papa *crying*
Zuletzt editiert am: 31.08.2020, 10:43 Uhr, von: Sany2018
02.09.2020, 10:05 Uhr | Lia8888
Hallo Sany,

ich wollte Dir sagen, dass ich Deinen Brief an Deinen Vater sehr, sehr rührend aber zugleich auch ehrlich und voller verschiedener Emotionen finde. Wenn Menschen sich so verändern ist das sehr schade und vor allem auch für das Umfeld sehr schwer auszuhalten. Ein bisschen kenne ich das von meiner Oma, deswegen glaube ich Dich in dieser Hinsicht ganz gut verstehen zu können. Dein Vater scheint Dir sehr wichtig zu sein, was absolut nachvollziehbar ist. Du kannst auch ganz gut die Gründe einschätzen, wie es zu dieser Veränderung gekommen ist. Meinst Du nicht, dass es vllt möglich wäre ein ruhiges Gespräch mit ihm zu führen? Vllt wäre es eine Möglichkeit, wenn Du ihm den Brief gibst oder ihm ihn vorliest?

Ich denke, dass er Dich auf jeden Fall immer noch über alles liebt, allerdings momentan sehr mit sich selbst beschäftigt ist und seine eigene Lebenssituation erst einmal wieder in den Griff bekommen muss, um zu mehr Zufriedenheit zu gelangen. Da ist so viel zwischen Euch, ihr seid Vater und Tochter, es wäre so schade, wenn ihr dieses Verhältnis nicht wieder auf guten Boden bringen könntet.

Vllt könntest Du deinem Vater auch mal eine kleine Freude bereiten und so nähert ihr Euch wieder ein kleines Stück im Guten an?

Jedenfalls würde ich mich sehr freuen, wenn Du dieses gespannte Verhältnis mit Deinem Vater wieder aufgelöst bekommen würdest! Ich wünsche Dir alles erdenklich gute und viel Kraft und Mut!

Viele liebe Grüße
Lia :)
31.08.2020, 16:44 Uhr | bke-Kira-Morgenthal
Hallo Sany,

du teilst hier sehr offen einen sehr mutigen Brief an deinen Vater mit: bewegend, offen, ehrlich, ...Puh...

Du vermisst deinen Vater und hast ganz viele Fragen an ihn und irgendwie stellst du auch etwas fest an ihm, du nimmst ihn anders war und vielleicht auch dich selbst? Etwas hat sich zwischen euch verändert. Du hast gleichzeitig viel Mitgefühl mit ihm und erlaubst dir jedoch vorwurfsvoll ihm gegenüber zu sein. Irgendwie klingt es nach ganz viel emotionaler Nähe trotz offensichtlicher Distanz. Nähe..Distanz...Wer bestimmt sie und wie geht es euch beiden in dieser Lebensphase, die nicht einfach für Tochter und Vater zu sein scheint?....Darf es sich so anfühlen? Wie würde es wohl dein Vater beschreiben? Könnte er diesen Brief hier entdecken oder gehst du davon aus, dass er ihn nie liest? Was, wenn doch?

Du zeigst dich und ihn hier. Euch beide aus deiner Perspektive. Ein mutiger Schritt! Manche werden eigene Beziehung zu ihren Eltern bzw. zu ihren Kindern hier wieder erkennen. Andere vielleicht sogar sich wundern, dass es sich so intensiv anfühlen kann.

Wie kam es zu dieser Idee mit dem Brief und was wünschst du dir hier? Wie geht es dir nun nach dieser Offenbarung? Vielleicht reicht es für dich auch so: es so anonym und doch so zugänglich mit uns zu teilen?

Hier lesen dich andere Jugendliche und andere Eltern. Möchtest du einen Austausch oder soll es unkommentiert bleiben, was du deinem Vater geschrieben hast?

Nachdenkliche und mitfühlende Grüße von
bke-Kira-Morgenthal

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