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01.10.2019, 21:48 Uhr | bke-Gregor-Grüntal
Liebe Eltern,

angeregt durch den sehr interessanten Thread "and my heard burns only for you....." kommt bei mir die Frage auf: Wie halten Sie es eigentlich mit der religiösen Erziehung Ihrer Kinder? Ist das überhaupt noch ein Thema? Findet relgiöse Erziehung bei Ihnen statt oder überlassen sie das dem Kindergarten und dem Religionsunterricht in der Schule?

Ferner hört man auch immer wieder von jungen Eltern, dass sie ihr Kind ganz explizit nicht taufen lassen wollen. Argument dabei "Die sollen sich selbst entscheiden können, wenn sie alt genug sind" Ich denke dass es schwierig ist sich zu entscheiden, wenn man in keine Konfession hineingewachsen ist und ich kann mir kaum Jugendliche vorstellen, die sich irgendwann hinsetzen und überlegen zu welcher Konfession sie neigen.

Und es hat mich sehr beeindruckt, wie mir mal ein kleines Mädchen die Marienstatue im heimischen Wohnzimmer erklärt hat: "Das ist die heilige Maria und die mag mich auch dann, wenn ich alle genervt habe und alle mit mir schimipfen" Eigentlich ist es doch schön, wenn Kinder durch den Glauben mit einer solchen Gewissheit aufwachsen - oder?

Ich bin gespannt, was Sie dazu meinen!

Herzliche Grüße

bke-Gregor *bye*
13.11.2019, 20:23 Uhr | marinadiezweite
Ja, ihr habt teilweise recht. Und es soll auch nicht, auf keinen Fall so sein, dass man das Leben nach dem Tode als Antwort gibt. Das mag jede Religion anders sehen. Ich meine, dass Kinder im Kontext solche Fragen stellen. Dabei teilweise ihre eigene Fantasie da mit reinspielen lassen. Manches ist dann tröstlich. Die Frage, wo ist Oma jetzt? Stellt sich manchmal ganz anders. Zum Beispiel hab ich meine Kinder, als diese so 6 7 Jahre alt waren, oft auf den Friedhof mitgenommen. Gräberpflege der Gräber der Großeltern, die diese übrigens gar nicht kennengelernt hatten. Sie fragten dann, was und wer ist das. Schließlich kam mein jüngster Sohn zu der Erkenntnis, dass Oma da liegt und zu Kompost wird. Was soll man dazu sagen. Er brauchte es nicht, dass sie vom Himmel schaut. Als die Kinder älter wurden, halfen sie mit bei der Grabpflege. Da war ihnen auch klar, dass da der Leib liegt. Wo die Gedanken sind, das kann man sich aussuchen, finde ich. Ich will damit eher sagen, dass man eine Antwort versuchen soll und auch Mut haben soll, was dazu zu sagen.
Bei jüngeren Kindern wird auch oft überlegt, ob sie zu Verwandtenbeerdigung mitgehen. Abgesehen davon, dass ich dafür bin. Es hilft ihnen, das ganze zu verstehen. Auch altersgerecht zu begreifen, dass sie nicht wiederkommt. Tröste dann, womit du denkst, trösten zu können. Das sollte der Wahrheit entsprechen. Aber sie kann im Herzen sein, wenn das Kind will, im Himmel. Auf nette Art. Sogar schadet es nicht zu sagen, dass manche Menschen an eine Wiedergeburt glauben.
Ist schon gut, die wahren Worte zu sprechen. Genauso finde ich, kann man es halten mit jüdischen und anderen Ritualien. Was ich selbst weiß, kann ich erzählen. Kann mir auch Bücher oder Informationen darüber organisieren. Diese mit dem Kind besprechen. Die Fragen werden meist mit zunehmendem Alter detaillierter. Und das stimmt, in der Schule sollten schon mehr Themen angesprochen werden als nur einfach evangelische Religion.
Interessanterweise kann sich die Schule trotz Weltoffenheitsstreben nie ganz heraushalten. Selbst, wenn sie das wollte. Kopftücher sind da den Lehrern nicht erlaubt, ein zweites Schulgericht, falls viele moslemische Kinder dort essen, ist sicher machbar.
Zuletzt editiert am: 13.11.2019, 20:25 Uhr, von: marinadiezweite
12.11.2019, 22:47 Uhr | AnjaLe
Hallo,

ich wollte lediglich mit meinem Beitrag darauf hinweisen, dass Schule und Kita möglicherweise mit der religiösen Erziehung überfordert sind, weil dort zu viele Konfessionen aufeinandertreffen. Debatten um Weihnachtsfeiern, Kopftücher und Schweinefleisch in Menus der Mittagsverpflegung gefährden den Schulfrieden und lähmen den eigentlichen Bildungsauftrag. Daher sollte Schule ein neutraler, weltoffener und konfessionsfreier Ort sein.

Die religiöse Erziehung obliegt dem Elternhaus und unterliegt der jeweiligen konfessionellen Einstellung.

Aber:

Die Frage, warum Ayse und Tarek in die Moschee gehen, lässt sich vielleicht noch damit beatworten, dass dies ein Gebetshaus ihrer Religion ist. Schwieriger wird es bei der Frage, warum trägt Ayse ein Kopftuch und warum ist Tarek beschnitten … hier kann ich verstehen, dass viele Eltern mit der Beantwortung dieser Fragen überfordert sind. Das hat zum Teil mit Scham, Angst und Unwissenheit zu tun.

Hier ist aber wiederum die Schule gefragt, Antworten zu liefern. Das geht meiner Meinung nach aber nur in einem für alle Religionen offenen Ethikunterricht im Konsens mit der individuellen religiösen Erziehung, wo Kinder solche Fragen in einem offenen Dialog stellen und die Antworten erarbeiten können.

Oma ist auf dem Friedhof und der Tod ist allgegenwärtig. Er kann Kinder, Jugendliche, Eltern, Großeltern aber auch Haustiere jederzeit treffen. Irgendeine Aussage über die Lebenserwartung ist aus meiner Sicht unseriös, ebenso Aussagen wie: Gute Menschen kommen in den Himmel und böse in die Hölle. Das schürt Ängste und führt zu Vermeidungsverhalten.

Grüße
Anja
12.11.2019, 20:17 Uhr | Louise-19
Hallo Marina,
"Oma schaut vom Himmel herab" ist verkehrt, insofern damit angedeutet wird, das Kind würde von ihr geschützt. Sie sei weiterhin handlungsfähig.

Im evangelischen Christentum wird das nicht geglaubt. Tote ruhen, bis sie zum jüngsten Gericht auferweckt werden.
Zweitens wird das Kind möglicherweise daran gehindert, wirksame Hilfe zu suchen, da ihm suggeriert wird, diese sei bereits vorhanden.
Drittens, als Vorteil gilt, daß Hoffnung und Zuversicht gesteigert werden. Einerseits verhindert falsche Hoffnung eine klare Sicht, andererseits beruht dieser Effekt imo auf dem natürlichen Urvertrauen plus einer festen Weltanschauung. Dies wird aber mit jeglicher fester Weltanschauung erreicht, so falsch sie auch sein mag.

Ich denke daher, daß eine möglichst offene, realistische und pragmatische Weltanschauung zu bevorzugen ist, welche aber vor allem auch nicht in einer Vergötzung des Grundgesetzes resultieren darf.
Gruß, Louise
12.11.2019, 17:39 Uhr | marinadiezweite
Ja, stimmt, das Thema geht nun eher in Richtung Schule und Religionsunterricht. Sie fragen, ob wir das selbst erziehen zum Thema Religion oder lieber den Kindergärten Schulen dieses Thema überlassen. So ganz ohne diese beiden Institutionen kann man die religiöse Erziehung jedoch nicht sehen. Denn ich habe meine Kinder religiös erzogen. Viele Eltern tun dies nicht aus nachvollziehbaren Gründen. Wollen aber auch in Kindergarten und Schule keine religiöse Erziehung. Nicht nach der Devise, ich mach das nicht, kenn mich nicht aus, macht ihr das. Sondern manche nach dem Grundsatz, dass sie bewußt sich dagegen entschieden haben und gern auch keine religiöse Erziehung in KG und Schule wollen.
Mein Gedanke ist, dass ich da gern auch viel mitmischen will. Denn da tauchen auch Fragen auf, die einem niemand anderes beantworten kann. Die Frage wo ist Oma, was ist denn los an Weihnachten und so weiter. Ich kann diese aus meiner religiösen Sicht beantworten. Bevor es andere tun, bei denen mir nicht immer diese Antwort gefällt.
Ich bin aber überzeugt, dass es für nicht religiös erziehende Eltern, die nicht in einer Religionsgemeinschaft sind, ganz andere Antworten gibt.
Ja, bitte, was sagt man dann zu Weihnachten und so. Ich finde da die kindgerechte Antwort ebenso wichtig wie die religiöse. Und man darf doch ruhig sagen, warum diese Feste gefeiert werden.
Mit Sport und so will ich das nur in einem Punkt verglichen haben. Dass es sich um quasi Nebenfächer handelt, die nicht so hoch bewertet werden. In en anderen Fragen, ob diese aus dem Grundgesetz und dann aus dem Schulgesetz genommen werden sollen. Da fängt man an bei ''Adam' und Eva'' und der Bewertung von Bedeutung und Wichtigkeit und könnte bei Lehrermangel noch mehr Fächer der Beliebigkeit unterziehen. Daher meinte ich auch, dass Religion nicht eine Freistunde bedeuten soll bei nicht konfessionellen Kindern.
Ich finde es aber weiterhin bedeutsam, die Religionen im Unterricht zu vermitteln, weil unsere Kultur darauf basiert.
Antworten auf Kinderfragen, das ist wohl das entscheidende. Oma ist im Himmel nach evangelischem Glauben und wird wiedergeboren, irgendwie!? Wichtiger erscheint mir, was ein Kind damit wissen will. Oma schaut vom Himmel herab, ist doch nicht verkehrt. Jesus gibt es nicht, Weihnachten aber trotzdem. Ist auch nicht so elegant formuliert.
Schadet auch nicht, wenn Kinder diese Feste und deren Hintergrund erfahren.
12.11.2019, 10:24 Uhr | Louise-19
bke-Gregor-Grüntal schrieb:
Was sagen Sie Ihren Kindern, wo ist denn die tote Oma jetzt?
Was wird denn in Ihren Familien zu Ostern oder Weihnachten gefeiert?
"Warum geht Ayse und Tarek regelmäßig in die Moschee und wir nie in die Kirche?"
"Wenn alle Menschen sterben, muss ich auch sterben und wann stirbst Du?"
"Warum betet Tante Ilse vor dem Essen?"


-"Sie ist tot, Jim."
-"So lange Du Deine Füße unter meinen Tisch streckst, wirst Du gefälligst mit uns Weihnachten und Ostern feiern."
-"Das mußst Du sie schon selber fragen."
-"Ja, und wir wissen nicht, wann." (Das führt vermutlich zu starker Einschlafangst, also braucht man ein gutes Einschlafritual.)
Gruß, Louise
11.11.2019, 14:30 Uhr | bke-Gregor-Grüntal
Hallo,

leider ist die Diskussion leicht abgedriftet in Richtung "Religionsfreiheit" bzw. "Trennung von Staat und Kirche".

Viel interessanter finde ich was die Eltern hier ihren Kindern an Glauben weitergeben können/wollen/nicht wollen.
Was sagen Sie Ihren Kindern, wo ist denn die tote Oma jetzt?
Was wird denn in Ihren Familien zu Ostern oder Weihnachten gefeiert?
"Warum geht Ayse und Tarek regelmäßig in die Moschee und wir nie in die Kirche?"
"Wenn alle Menschen sterben, muss ich auch sterben und wann stirbst Du?"
"Warum betet Tante Ilse vor dem Essen?"....usw

Ich erlebe viele Eltern in diesen Fragen als unsicher und ratlos.

Ich finde das Thema nach wie vor spannend, weil auf der einen Seite leben wir in einer säkularisierten Welt und das ist gut so, auf der anderen Seite gibt es jede Menge Konflikte, Krisen und Kriege aufgrund von Glaubensfragen und viel Sehnsucht nach Transzendenz.

Herzliche Grüße

bke-Gregor-Grüntal *bye*
Zuletzt editiert am: 11.11.2019, 14:40 Uhr, von: bke-Gregor-Grüntal
21.10.2019, 20:59 Uhr | AnjaLe
Hallo marinadiezweite,

ich glaube nicht das man Musik, Kunst und Sport mit Religion vergleichen kann. Dabei geht es auch nicht darum, ob es einigen Schülern widerstrebt, daran teilzunehmen, sondern um den Respekt vor andersgläubigen und letztendlich darum, es allen irgendwie recht zu machen. Theorethisch müsste man dann allen ihren "Religionsunterricht" anbieten. In Frankreich ist die Trennung zwischen Staat und Kirche durch die säkulare Staatsform vollzogen und das Land versteht sich weltanschlich neutral. An den Schulen gibt es keinen Religionsunterricht.

In Deuschland ist der Religionsunterricht gem. Artikel 7 des Grundgesetzes ordentliches Lehrfach! Ein sehr kompliziertes Thema.

Es gibt übrigens für alle, die es interessiert, ein Buch.

Erhard Holze / Stefanie Pfister
100 Rechtsfragen zu Religionsunterricht und Schule: Konkret, juristisch, kompetent
Kostet 18 Euro

Im Zeitalter von Massenmigration und Mulikulti wird der Spagat, den der Staat hier an den Schulen macht, immer breiter. Daher bin ich nach wie vor der Meinung, den Artikel im GG zu überdenken.

Viele Grüße
Anja
21.10.2019, 17:13 Uhr | marinadiezweite
Ja, das Problem ist, getrennt unterrichten. Die, die in der evangelischen oder katzolischen Religion aktiv sind, sträuben sich ja bestimmt gar nicht. Die, die keine Religion vorgeben möchten, wollen eher nicht dran teilnehmen. Daher ergibt sich schon mal die Trennung. Es sei denn, man würde den Religionsunterricht komplett aus den Schulen nehmen. Wer dann zur Konfa will, kann dies tun. Nun, da glaub ich fast, dass man Schule umschreiben müsste oder Lehrpläne.
Gegen einen Ethikunterricht spricht ja nichts, eher dagegen, dass man Schülern eine Stunde schenkt, die nicht in der Kirche sind. Da dann doch eher eine getrennte Unterrichtsstunde. Dann wird es aber wieder zusammengefügt. Ab einer bestimmten Klasse sind ja eh viele Pflichtkurse und A-Kurse, B-Kurse.
Ich persönlich kann mich nicht gut anfreunden mit einer Abwahl von Religionsunterricht. Denn zum einen ist das anders, was man sonst so irgendwo als Wissen aufschnappen kann. Und zum anderen stelle ich mir gerade vor, dass man so manch ein Fach ''rausschmeisst'', weil es vielen Schülern widerstrebt. (Musik, Sport, Kunst?)
18.10.2019, 12:45 Uhr | Thomas79
Guten Tag zusammen!

Besten Dank für die gelungene Reaktivierung der Diskussion *smiling*.

Ich greife mal die Frage auf, wo Kinder das 'Angebot' kennenlernen sollen wenn nicht durch Familie und Schule: Da sehe ich tatsächlich kein Problem. Das werden sie im Laufe ihrer Entwicklung so oder so, durch Nachrichten, Freunde, die Frage nach dem Sinn und wie es nach dem Tod weitergeht - davor sind auch nicht getaufte Kinder nicht geschützt, sich damit zu befassen und sich diese Fragen zu stellen. Die Antwort kann darauf der Glaube sein, muss es aber nicht zwangsläufig sein. Ich befürchte im entgegengesetzten Fall der Taufe und religiösen Erziehung in Familie und Schule, dass Alternative Erklärungsansätze zu kurz kommen. Und ich verstehe auch nicht, wozu es in staatlichen Schulen konfessionsgebundenen Religionsunterricht braucht und wodurch dieser legitimiert sein soll. Ethik ist ebenfalls Religionskunde und geht sogar darüber hinaus, aber neutral und nicht an eine Kirche gebunden. Warum müssen wir die Kinder hier nach Konfessionen selektieren und getrennt unterrichten? Gerade der Dialog unter den verschiedenen Religionen und Ansichten wäre doch so wichtig zu vermitteln an unsere Kinder. Dss geht aber schlecht, wenn wir sie da 'aufteilen'.

Beste Grüße
Thomas
18.10.2019, 08:05 Uhr | bke-Claudia-Rohde
Guten Morgen,
ich finde das Thema sehr spannend und will da auch mal meine Meinung zu hinterlassen.
Zum Glück gibt es ja Meinungsfreiheit und auch Religionsfreiheit für die Bürger unseres Landes.
Ich finde es gut, wenn die Trennung Staat und Kirche wirklich da ist, und dann wäre auch eine Trennung Schule und Kirche konsequent möglich. Kirchliche Schulen ausgenommen. Wenn Eltern ihr Kind religiös erziehen wollen, dann können und sollen sie das tun in Toleranz zu allen anderen. Atheistische Eltern erziehen ihre Kinder frei von Religion und sollten eben auch die anderen tolerieren.
In unseren staatlichen Schulen sollte es so etwas wie Ethikunterricht geben, damit die Kinder wissen, welche Religionen gibt es, was bedeutet welche Religion und wie wird sie gelebt. Sie sollen Offenheit und Toleranz erleben. Das wäre für mich entscheidend.
Für die Vermittlung unserer Werte an unsere Kinder sind wir alle verantwortlich, wir als Eltern, Lehrer*innen, Erzieher*innen, alle die mit Kindern zu tun haben.
bke-Claudia Rohde
Zuletzt editiert am: 18.10.2019, 08:16 Uhr, von: bke-Claudia-Rohde
17.10.2019, 19:59 Uhr | AnjaLe
Hallo Herr Bäcker,

ich bin der Ansicht, das sich öffentliche Bildungseinrichtungen strikt an das Neutralitätsgebot zu halten haben, sofern sie nicht einer kirchlichen Trägerschaft unterliegen. Debatten um Weihnachtsfeiern und Gottesdienste während der Schulzeit schaden nur dem Schulfrieden, insbesondere wenn sie von der Presse begleitet werden oder sich Gerichte damit befassen müssen, weil jemand sich benachteiligt fühlt, da der Unterricht deswegen ausgefallen ist.

Religionsunterricht sollte daher so gelegt werden, das diejenigen, die nicht daran teilnehmen möchten, entweder früher gehen oder später kommen können. Vielleicht sollte der Unterricht auch als freiwillige AG ausgelagert oder generell durch Ethikunterricht ersetzt werden. Aber wie ich schon erwähnte, am besten wäre, wenn sich die Schulen da raus halten.

Die Austrittswellen der vergangenen Jahre haben in der Gesellschaft ihre Spuren hinterlassen. Ich verstehe auch nicht, das ich für den Austritt (Verwaltungsakt) Geld bezahlen muss, obwohl ich nie gefragt wurde, ob ich überhaupt eintreten möchte. Daher sollten Kinder das selbst entscheiden.

Viele Grüße
Anja
Zuletzt editiert am: 17.10.2019, 20:00 Uhr, von: AnjaLe
17.10.2019, 17:46 Uhr | Charlotte90
Hallo Herr Bäcker,
ich habe die Auffassung, dass man „ Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Werte und Normen, Freiheit, Fairness“ nicht unbedingt mit dem Glauben/der Religion verknüpfen muss und dementsprechend auch nicht die religiöse Erziehung benötigt (ob Schule, Elternhaus, Kindergarten), um diese Eigenschaften dem Kind näher zu bringen. Es gibt bspw. genug Bilderbücher über diese Themen, die mit Religion überhaupt nichts zu tun haben und was umso wichtiger ist, ist die respektvolle Erziehung und das Vorleben im Alltag dieser und anderer Werte.

Religion verknüpft für mich persönlich auch nicht Freiheit. Wenn ich mir die Verbote (bspw. kein Sex vor der Ehe) und Regeln anschaue, hat das für mich nichts mit persönlicher Freiheit zu tun.

Gruß, Charlotte90
Zuletzt editiert am: 17.10.2019, 17:50 Uhr, von: Charlotte90
17.10.2019, 15:31 Uhr | bke-Stephan-Bäcker
Hallo liebe Eltern,

danke für die interessanten und anregenden Beiträge. Hier sind viele Haltungen vertreten, die ich mal arg verkürzt zusammenfasse:

Unsere Familie hat keinen spirituellen Glauben,
Kinder dürfen bzw. sollen sich selbst entscheiden, das geht auch, wenn sie schon getauft sind.
Der Glaube kann einen guten, aber auch einen schlechten Einfluss haben.

Was sie alle vereint, zumindest meine ich das zu lesen: Alle sollen das glauben oder nicht glauben, was sie wollen. Und es braucht dafür Toleranz und gegenseitigen Respekt.

Hinter dem Glauben stehen ja oft auch Anschauungen und Haltungen. Und Rechte und Pflichten. Ich bleibe mal bei den Rechten: Ich finde, es gibt allgemeingültige Menschenrechte. Ganz gleich, ob ich gläubig bin oder nicht. Fast alle Religionen und atheistische Strömungen sehen das auch so. Der wichtigste Grundsatz dabei erscheint mir: Alle Menschen sind gleich!

Das bringt mich aber wieder zur religiösen Erziehung: Wo lernen Kinder das? Viele Kinder verbringen eine sehr lange Zeit in Kita und Schule. Dort gibt es einen Bildungsauftrag. Und natürlich verstehen die meisten Einrichtungen sich so, dass eine moralische und geistige Bildung da auch dazu gehört. Aber wie wird die erreicht?

Ein christliches Weltbild ist ja per se nicht zu kritisieren. Auch ohne Glaube nicht. Aber: Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Werte und Normen, Freiheit, Fairness. Wenn ein konfessionell geprägter Unterricht das nicht mehr leisten kann oder soll (dafür und dagegen gibt es viele gute Argumente), geht das dann nicht im Alltag unter? In welchen Schulfächern werden diese Dinge dann "gelehrt" und wer achtet darauf? Sollen Geschichten über St. Martin oder über Jonas und dem Walfisch in der Kita nicht mehr erzählt werden? Wer achtet dann darauf, dass es dafür andere Geschichten gibt? Wenn diese Dinge religiös verankert sind, gehen sie vielleicht weniger verloren, oder auch nicht?

Ich finde es schwer, hier eine klare Position zu beziehen, die es vielleicht aber auch nicht braucht. Denn die Freiheit der Gedanken, die eigene Meinungsbildung, der tolerante Umgang damit, sind meiner Meinung nach die entscheidenden Haltungen. Aber Ich komme auch wieder zur Gretchenfrage: "Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?" Wie sollen Kinder sich entscheiden können, wenn sie das "Angebot" gar nicht kennen?

Ich schicke Ihnen viele nachdenkliche Grüße

bke-Stephan-Bäcker
07.10.2019, 09:19 Uhr | marinadiezweite
Hallo Pauliprinzessin, ich selbst kenne auch eine Familie, die zu den Siebentagsadventisten gehört. Diese vollziehen meist erst die Taufe, wenn die Kinder sich selbst freiwillig entschliessen, sich taufen zu lassen. Ich gebe dir vollkommen recht, Glauben und Christentum sind nicht das gleiche. Ich würde auch nie gutheißen, was im Namen von einem Glauben an Schaden angerichtet wird. Wegreden kann man das aber auch nicht. Was vermeintlich oder tatsächlich vor 2000 Jahren passiert ist, ist nicht mehr unser Fehler oder unser Verständnis von Glauben. Und man kann glauben und schlimm sein oder nicht glauben und gute gerechte Grundsätze vertreten.
Insbesondere, was ich bei meinen Bekannten erlebt habe, hat mir gar nicht gefallen. Aber es ist auch eine selbstinterpretierte Darlegung ihres Glaubens. Nenn ich das mal so.
Dazu gehört ja auch noch: Nicht rauchen, nicht Alkohol trinken, ich glaube, kein Schweinefleisch essen. Mit den Geburtstagen und Weihnachten gelten da auch besondere Regeln.
Wenn eines der Kinder bei uns zum Essen war, merkte ich die Problematik sehr stark. Das Mädchen ass für ihr Leben gern Bolognesesauce. Da ich normalerweise nicht für irgendwenn extra kochte, hatte sie ein Problem. Ich hätte ja sonst Rinderhack nehmen können. Als ihre Mutter sie abholte, wurde es sehr streng. Ja, du darfst es eigentlich nicht, aber unser Glaube ist ja auch frei. Für Kinder ist das immer sehr schwer, wenn da so sehr unfreiwilliger Zwang dahinter steht. Ich weiß auch, dass die Kinder dann noch heimlicher rauchten, als andere Kinder und Jugendliche das tun. Denn für sie war das mehr als nicht okey, es ist eine ''Sünde'' die sie eigentlich beichten mussten.
Am schwierigsten und strengsten empfand ich, dass ich mich nie mit meiner Freundin am Samstag verabreden konnte. Da sie wie geschrieben, dann mit der gesamten Familie zum Gottesdienst ''müssen''. Dennoch finde ich, dass vieles auch extreme Ausprägungen sind. Aber am wichtigsten finde ich die Freiheit des andersdenkenden. Und in dem Sinne, denkt und glaubt, was ihr möchtet.
04.10.2019, 13:33 Uhr | Pauliprinzessin
Guten Tag Herr Grüntal,

na ja, gerade auf Grund der derzeitigen Situation- Diffamierung, Ausgrenzung, tätliche Angriffe, bin ich sehr froh darüber, dass wir alle hier in meiner Familie schon lange nichts mehr mit Religion zu tun haben.
Meine Kinder wurde alle ganz bewusst nicht getauft. Dass sich meine Töchter - auf einem kleinen Dorf lebend- dann doch noch zu Taufe und Konfirmation angemeldet haben- gegen mein ausdrückliches Veto! ist der Tatsache geschuldet worden, dass nun mal alle Kinder sich angemeldet haben und man das eben so macht... Weder glauben Sie daran noch gehen sie irgendwann mal in die Kirche oder sonstwie engagiert.
Mit meinem Sohn haben wir uns mal eine Klosteranlage angesehen- architektonisch sehr reizvoll- seine Reaktion auf die gefolterte Leiche die dort ausgestellt wurde sprach für sich... Was haben die mit dem Mann gemacht????
Wir leben jetzt in der Stadt, hier ist keiner aus seinem Kreis getauft oder konfirmiert, so dass er keinerlei Veranlassung sah sich zum Unterricht anzumelden- er ist jetzt bereits 14 und damit sind wir durch mit diesem Thema.
Für mich sehr krass war ein kürzlich mit meiner Chefin geführte Gespräch. Es ging auch um Einschulung eines ihrer Enkelkinder- eines ihrer beiden Kinder hat auf Grund der Liebe sich den Siebentagesadventisten angeschlossen. Sind auch Christen, jedoch extrem. Sie arbeiten Samstag nicht und gehen statt dessen in den Gottesdienst. Deshalb konnte dieser Teil der Familie nicht an der Einschulung der Nichte bzw Cousine teilnehmen! Und auch die eigene Einschulung der betroffenen Enkel fiel aus für diese. Zwar hat man dann am Sonntag zusammen mit der Familie Ersatz gefeiert- ist jedoch nicht das Selbe wie in der Schule mit kennenlernen der Mitschüler, der Atmosphäre etc.

Die Menschheit hat schon immer geglaubt. Und es gab immer Menschen die sich zu Herrschern und Gottesgleichen berufen gefühlt haben und diese Macht mit Gewalt durchgesetzt haben. Das letzte gute Beispiel ist immer noch die Anmaßung des Vatikans, sich als Gottgesandte zu sehen , einen eigenen Staat zu haben und eigene Regeln. Gut, dass man anfängt sich dagegen zu wehren aus den eigenen katholischen Reihen.

Eigentlich glauben ja alle Menschen auf dieser Erde das Gleiche. Sie nennen es anders, sie halten sich je nachdem wer die Regeln verkündet entsprechend daran. Alles was heute im Namen des jeweiligen Glaubens verkündet und verlangt wird ist einzig den irren Ideen von wenigen entsprungen und hat so überhaupt nichts damit zu tun was ein "Gott" gesagt haben soll- denn einen unsichtbaren Gott gibt es nun mal nicht und auch die Entstehung unserer Erde ist nachgewiesener Maßen nicht auf die Idee eines "Gottes" gegründet noch hat man uns als Menschheit aus Lehm geschaffen ( was schon mal gar nicht möglich wäre, denn bei den vielen unterschiedlichen Hautfarben einer Religion müssten wir uns dann endlich mal entscheiden wer denn davon aus Lehm und wer irgendwie zufällig noch dazu gekommen ist aber eben nicht von dem vielgepriesenen "Gott"

Es ist doch einfach nur schlimm, dass sich Menschen immer noch dazu beauftragt fühlen sich als besserer Glauben aufzuspielen und den anderen ihren Glauben abzusprechen , sie gar zu verletzten, zu töten und so weiter. Sind wir nicht endlich mal in der Lage diesen vollkommen sinnlosen Krieg ein für alle mal zu beenden? Er hat ja nichts wirklich mit Glaube zu tun sondern soll einzig die Machtverhältnisse klären. Dieses Muster endlich durchbrechen, nach tausenden von Jahren , das wäre mein Wunsch

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